Zwischen Call-Center und Ochsenkarren
Ein Karren zuckelt die Straße entlang. Die Hörner der vorgespannten weißen Ochsen sind rot bemalt, die hölzernen Reifen quietschen bei jeder Umdrehung, und obenauf sitzt ein magerer Bauer mit Turban. Dicht hinter ihm klebt ein schneller Neuwagen japanischen Fabrikats. Am Steuer eine wütende Frau im Abendkleid, die hupt und in ihr Handy schreit. Ihre Welt ist so schnell wie ihr Auto, nur steht manchmal eben ein Ochsenkarren im Weg. Indien prägt eine Mannigfaltigkeit an Lebensformen, wie sie im Westen kaum vorstellbar ist.
Auf der einen Seite moderne Großstädte voller IT-Unternehmen, Call-Center und Karrierefrauen. Keine fünfzig Kilometer weiter ein Dorf ohne Elektrizität und Wasserleitungen, in dem die weiblichen Neugeborenen nach der Geburt ertränkt werden, weil der Vater sich die Mitgift nicht leisten kann. Hier wird mit Vieh gepflügt und auf Feuer gekocht, dort servieren Diener Pizza und Pepsi, während man sich durch hundert Kabelkanäle zappt. Zwischen Hightech und archaischer Dorfwelt leben viele in religiöser Askese oder bettelnder Armut; gleichzeitig wächst stetig eine neue Mittelschicht heran.
Diese Vielfalt der sozialen Gegensätze reflektieren auch die darstellenden ...
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Irgendwann am Eröffnungsabend sagte der neue Intendant, er wolle «kein hippes Theater» machen. Mit Blick auf das Mitte-Völkchen aus Kunst, Politik und Journaille, das sich währenddessen im lichtergeschmückten Garten des Maxim Gorki Theaters tummelte, zwischen zehn Premieren an sechs Spielorten hin- und herschwirrte und sich pudelwohl zu fühlen schien, klang das...
Was ist denn mit unserer Familiensaga?», fragt Lavinia am Ende aller Lieder und Worte. «Was ist mit Vater, Mutter, Kind?» Es ist eine rhetorische Frage, eine höhnische, traurig-trotzige. Sie steht nicht bei O’Neill, dessen ausufernde Familientragödie «Trauer muss Elektra tragen» in den vorangegangenen zwei Stunden so lakonisch wie parodistisch exekutiert worden...
Die Intendantin führte aus, sie habe, nach dem Eintreffen der beunruhigenden Nachrichten und sobald ihr klar geworden war, dass sie weder Mitarbeiter noch Zuschauer ohne deren Wissen oder Zustimmung, sozusagen feldherrnartig, in die ihr behördlich avisierte Schlacht werfen dürfe, den Versuch unternommen, unter den künstlerischen und technischen Angestellten ihres...
