Das Chaos als angewandte Kunst

Seine Theaterbiografie reicht von Peter Steins Schaubühne über Jahre in Bochum bis zur Arbeit mit Jürgen Gosch – ein Virtuose der Untertreibung im Porträt: Ernst Stötzner

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Eine halbe Stunde vor der Premiere von Maxim Gorkis Szenen aus der Tiefe, «Unten», trifft man Ernst Stötzner mit einem Blumenstrauß im Arm an der Drehtür des Hotels «Reichshof» gleich neben dem Hamburger Schau­spielhaus. «Ist was?», reagiert er fidel auf erstaun­te Blicke. Kurz vor Beginn des ebenfalls von Jürgen Gosch insze­nier­ten Düsseldorfer «Macbeth» zur Eröffnung des diesjährigen Berliner Thea­tertreffens eine ähnliche Szene.

Stötzner bunkert sich nicht in der Garderobe ein, sondern spaziert umher, steht plaudernd zwi­schen Tür und Angel im Garten des Festspiel-Hauses. «Der Ernst ist da ganz cool – oder er tut so», sagt sein junger Kollege Devid Striesow über seinen Partner in Shakespeares Königsdrama.
Ja, er müsse den Umweg über die Coolness gehen, räumt Ernst Stötzner ein: «Sonst frisst mich die Aufregung auf.» Deshalb komme er auch meistens zu spät – und erinnert sich an eine Premiere, den «Marat/De Sade», da habe er um Viertel nach Sieben noch in einem Schuhgeschäft gesessen, und um halb Acht ging’s los. «Ich kann mich nicht lange vorher auf eine Vorstellung einstel­len, sonst nimmt der Druck überhand.» Von solchen Druck-Erzeugungen gibt es mehr zu berichten. Bei der ...

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Theater heute November 2006
Rubrik: Porträt, Seite 22
von Andreas Wilink

Vergriffen
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