Räume des Umbruchs
Auf dem Foto von Bert Neumann, mit dem die Volksbühne auf ihrer Website den Tod ihres Chefbühnenbildners anzeigt, trägt er ein Shirt mit dem Aufdruck «Don’t look back» in deutscher Frakturschrift. Solche Widersprüche hatten es ihm angetan. Auf dem Foto schaut er natürlich nicht den Betrachter an, sondern zur Seite. Sehr, sehr weit zur Seite, fast schon nach hinten. Don’t look back. Das Foto hätte ihm sicher gefallen.
Frank Castorf hat die Schauspieler inszeniert, Bert Neumann die Blicke und Blickrichtungen.
Beide zusammen haben seit 1992 die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz zum über viele Jahre wichtigsten Theaterlabor im deutschsprachigen Raum gemacht. Dort wurde verhandelt, was anderswo übersehen, schöngeredet, unter die Decke gekehrt oder melancholisch umflort wurde: das für mindestens zwei bis drei Generationen eben nicht und schon gar nicht reibungslos gelingende Zusammenwachsen von Ost und West, von Biografien, von Denk- und Gefühlsräumen, von Ideologien – auch wenn sie nicht so heißen sollten –, von Sinnhorizonten, von unterschiedlichen und nur bedingt kompatiblen Gegenwarten und Vergangenheiten. Beide, Neumann und Castorf, wollten sich nicht einfügen in die ...
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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Bert Neumann, Seite 20
von Franz Wille
Da sitzt er nun, der Präsident, an seinem Schreibtisch vor einer Tapete mit dem Staatswappen, und spricht zu seinem Volk. Es ist eine dieser Reden, die sich tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben: «Liebe Freunde, dies wird mit Sicherheit das letzte Mal sein, dass ich mich an Euch wende.» Die Geschichte von Salvador Allende ist bekannt, doch am Filmset,...
Der erste Raum, das erste Bühnenbild von Bert, in dem ich arbeiten durfte, war eine vollständige Blockhütte. Das war im Jahr 2000 im Prater der Volksbühne. Wir haben sie später mit auf Reisen genommen, und zwar während der von Bert erfundenen Rollenden Road Schau. Ich hab eine Menge Zeit in dieser Blockhütte verbracht und eben nicht nur bei Theaterproben. In...
Man trifft an diesem Abend lauter gute alte Bekannte. Gemeint sind weniger die Kollegen und Theatermacher, die sich zur Rimini-Protokoll-Premiere von «Adolf Hitler: Mein Kampf, Band 1 & 2» nach Weimar aufgemacht haben, sondern vor allem das Bühnenbild, das Langzeit-Rimini-Beobachter bereits aus der Inszenierung «Karl Marx: Das Kapital, Erster Band» kennen und das...
