Winterlicht
Der berufliche Tanz ist nicht unbedingt der private. Wenn ich nach einer Vorstellung die Möglichkeit zum Tanzen vorfinde, denke ich manchmal: «Danke, hab ja schon.» Als noch die Sonne schien, verspürte ich auf einer Marathonveranstaltung beim Dortmunder Festival «Favoriten» nach zwölf Stunden Dauertanz nur noch einen Wunsch: mit dem Rollstuhl an eine Bar gebracht zu werden. Dann habe ich aber doch noch bis in die frühen Morgenstunden «privat» weitergetanzt. Vielleicht hat der Licht-Level der helleren Jahreszeit meine Energiereserven aktiviert.
Momentan aber laufen bei vielen von uns die Akkus leer, wir schlagen uns saisonal bedingt im Standby-Modus durch. Winterlicht heißt, als Tänzer mit sich zu kämpfen, immer zwischen emotionaler Vereinnahmung und Selbstvorwürfen zu schwanken. Alles erscheint dunkelgrau und wirkt wie ein hochgradig herausfordernder bis zermürbender Hindernis-Parcours. Das löst immerhin eine zärtliche «Man-müsste»-Melancholie in einem aus, ebenso allerdings die Gewissheit, an allen guten Vorsätzen zu scheitern.
Jetzt heißt es, mit sich selber in Kontakt zu treten, ohne jedoch durch allzu irritierendes Verhalten unangenehm aufzufallen. Hier ein paar Übungen, ...
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Tanz Februar 2017
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Martin Clausen, Schauspieler, Performer, Regisseur
«Wenn unser Wohlstand auf der Welt Leid produziert, gehört dieses Leid dann uns?» Von provokantem Zynismus ist diese Frage, die antwortlos mehrfach ans Publikum gerichtet wird und in der sich das Thema von Martin Stiefermanns «Heimatfront» verdichtet. Schon die erste Szene vermittelt die Botschaft, dass wir die kriegerischen Folgen unseres Lebensstils zwischen...
Na also, geht doch! Man braucht nicht viel Fantasie, um sich ähnliche Reaktionen auf die Vergabe des Preises vorzustellen, mit dem die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg 2017 zum zweiten Mal freie Tanz- und Theaterensembles fördern. Denn obwohl die freie Szene in der Landeshauptstadt seit Jahren um eine eigene Spielstätte und die damit verbundene...
Sie fühlt sich an wie Bimsstein, sieht aus wie die Membran einer weißlichen Koralle, ist von Rillen und Furchen in zigtausendfacher Ausfertigung durchzogen und soll Hamburgs neues Wahrzeichen in die Weltliga der Konzerthäuser führen: die Gipsplatten-Verschalung, die der Akustiker Yasuhisa Toyota für die Wände der Elbphilharmonie entworfen hat. Organisch fügt sich...
