Stille
«Wenn ich einen Tanz oder irgendeine Art von Werk plane, kann ich das nicht umsetzen, bevor ich den Raum verstanden habe», sagt Maria Hassabi, die in Athen ebenso zu Hause ist wie in New York. Die 48-jährige, auf Zypern geborene Choreografin und Künstlerin ist eine Spezialistin für die Raumzeit-Verhältnisse der menschlichen Wahrnehmung. Unsere Sinne brauchen Zeit: Je höher die Beschleunigung, desto stärker verschwimmt die Umgebung, und je langsamer die Dinge laufen, desto mehr Aufmerksamkeit wird dem Raum gewidmet, der ein Individuum umgibt.
2009 vollzog Hassabi bei ihrer choreografischen Arbeit einen Schwenk hin zur Verlangsamung. Damit reichten Theaterräume nicht mehr für ihre Kunst aus, und die Künstlerin begann, die Möglichkeiten von Orten der Bildenden Kunst zu erkunden. Dort nehmen es ihre Tänzerinnen und Performer mit der in sich ruhenden Architektur etwa eines Museums ebenso auf wie mit dem gehetzten Blick des durchströmenden Publikums.
Vergangenen Juni trat Maria Hassabi zusammen mit fünf Tänzerinnen und Tänzern bei den Wiener Festwochen auf. Ihre eigens für den Hauptraum der Secession geschaffene Performance-Installation trug den Titel «Here». Die vierstündige ...
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Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: Unterwegs, Seite 78
von Helmut Ploebst
Als die Pandemie im März 2020 die USA heimsuchte, standen wir eine Woche vor der Premiere von «Vendetta», einem abendfüllenden Erzählballett für 35 Tänzer*innen des Tulsa Ballet. Ich weiß noch, wie Präsident Trump im Laufe des Wochenendes schrittweise verfügte, dass sich in Gebäuden nicht mehr als 250, dann nicht mehr als 100 und schließlich nicht mehr als zehn...
Das Ende der Welt ist gar nicht so weit weg. Doch um dahin zu kommen, müssen wir die Wege des Genfer ÖVs ergründen. Foofwa d’Imobilité sollte das theoretisch leichtfallen. Er ist hier aufgewachsen. Praktisch aber bewegt er sich, seit er aus New York zurückgekehrt ist, mit dem Fahrrad durch seine Heimatstadt. «Das ist das Schöne an einer so kleinen Stadt: Man kommt...
Als John Neumeier und das Hamburg Ballett «Ghost Light» wenige Wochen nach der Uraufführung im Oktober 2020 nach Baden-Baden brachten, war die Pandemie, wie wir heute wissen, noch lange nicht vorbei. Aber wir hegten irgendwie Hoffnung. «Ghost Light» war eines jener wenigen neuen Tanzstücke, die wir im Herbst nach dem Lockdown vom Frühjahr 2020 sehen konnten. Es war...
