Raumsphären
Im vergangenen Jahr wurde das Theater mit einer in seiner gesamten Geschichte noch nicht erlebten Herausforderung konfrontiert: der Auswirkung von digitalen Medien. Natürlich hat es neue Technologien immer willkommen geheißen, angefangen von der Laterna magica bis hin zur Lichtsteuerung per Computer. Aber das geschah innerhalb seiner eigenen künstlerischen und physischen Grenzen. Die neuen Medien haben hingegen ein neues Publikum erschlossen, dessen Interaktion mit der medienbasierten Aufführung vom Theaterraum völlig losgelöst ist.
Es gibt eine ganze Generation, die mit Bildschirmen aufgewachsen ist und Aufführungen – Theater, Filme, Stadionkonzerte – primär über ein elektronisches Medium wahrnimmt. Bis zum 20. Jahrhundert waren alle Arten von Vorstellungen räumliche Ereignisse, bestehend aus der Interaktion zwischen Darstellern und Zuschauern in einem gemeinsamen Raum. Der Bildschirm eliminiert nun die Erfahrung des Raums und schafft einen Zuschauer, dessen Wahrnehmungsverständnis der Aufführung ganz anders ist. Die Definition des Zuschauers hat sich komplett verändert. In der Pandemie waren die meisten Theater geschlossen, Live-Theater damit nicht mehr verfügbar. Wer eine ...
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Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: Unterwegs, Seite 86
von Arnold Aronson
Ich glaube, es war eine dringend nötige Auszeit für die ganze Welt. Davor schien die Gesellschaft das Tempo immer mehr zu beschleunigen. Die Pandemie hat eine Ruhepause ermöglicht, wenn auch eine erzwungene. Leider hat sich auch viel Tragisches und Trauriges ergeben, aber die Pandemie hat uns erlaubt, einen Schritt zurückzutreten, unser Leben zu analysieren und...
«Wenn ich einen Tanz oder irgendeine Art von Werk plane, kann ich das nicht umsetzen, bevor ich den Raum verstanden habe», sagt Maria Hassabi, die in Athen ebenso zu Hause ist wie in New York. Die 48-jährige, auf Zypern geborene Choreografin und Künstlerin ist eine Spezialistin für die Raumzeit-Verhältnisse der menschlichen Wahrnehmung. Unsere Sinne brauchen Zeit:...
… Eine Arbeit mit Jugendlichen in Düsseldorf, denen ich und meine Kollegin Kamila Kurczewski nie analog begegnet sind.
Produktiv sein müssen und choreografische Gruppenarbeit gewährleisten, um die Lage zu retten? Nein, ich hatte keinen Bock. Ich habe mich eher auf einzelne Proben oder Gespräche konzentriert; erst mal, um einen Raum zu schaffen, in dem jede*r sich...
