Newcomer

Karl Saks

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In Tallinn, Estlands Hauptstadt, wurde Skype erfunden. In der alten Unterstadt bewundern Touristen die historischen Gilde-Säle dieser einst von Lübeck aus gegründeten Hansestadt. In einem der Häuser, dem Kanuti-Gildi-Saal, versammelten sich im Mittelalter die Goldschmiede, die Uhrmacher, die Kunstmaler – die Elite unter den Handwerkern. Seit 16 Jahren tanzen hier nun die Zeitgenossen. Karl Saks ist einer von ihnen.

Mit ritueller Ernsthaftigkeit in schwarzer Mönchskutte bestritt er bereits sein Solo «The Drone of Monk Nestor», um einzutauchen in die lange Geschichte der von Schweden, Deutschen und Russen bedrängten Minorität der Esten, die ihre Unabhängigkeit erst 1990 wiedererlangte.

In Saks‘ jüngstem Werk, «State and Design», nimmt er Platz zwischen einem alten Revox-Tonband und Stelen mit Getränken und Südfrüchten vor einem Tisch, auf dem ein bereits zerstörtes Gips-Modell heftig staubt. Der Tänzer als Archäologe, als Beschwörer der Vergangenheit entführt in eine nicht länger rekonstruierbare Zeit und feiert sie mit weit ausholenden Armen. Immer wieder tanzt er mit dem Rücken zum Publikum, als würde unser Blick seine Versuche behindern, die Artefakte der Vergangenheit greifbar ...

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tanz_02_2017

Tanz Februar 2017
Rubrik: Persönlich, Seite 28
von Arnd Wesemann

Vergriffen
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