Henning Paar
Lieber Henning Paar,
am Staatstheater Braunschweig schreibt das Publikum Kritiken. Beurteilt nach der Vorstellung Ihr Stück über den Tango. Mit Schulnoten. Man kann «passabel» oder «gut» oder schlimmeres ankreuzen und auf der Rückseite seinen Mut zusammennehmen und den eigenen Unmut präzisieren. Die Dame neben mir schreibt etwa, sie verstünde nicht, warum trotz Tango im Titel nur moderner Tanz drin gewesen sei.
Und warum die Männer bei Ihnen so plump durch den Kakao gezogen werden, obwohl der Tango den eleganten Machos so gut steht? Und warum soll sich ausgerechnet eine Frau nicht trauen, Tango zu tanzen, wie eine Ihrer Szenen lautet? Sie sehen, der Reflex der Dame ist zwar ganz mit Gleichberechtigung, aber trotzdem auch mit enttäuschter Erwartungshaltung beschäftigt. Natürlich kann man zu Astor Piazzolla ebenso gut Ballett oder barfuß tanzen. Das haben Hans van Manen oder Philip Taylor, dessen Nachfolge Sie am Münchner Gärtnerplatz 2007 antreten, auch schon gemacht. Darüber muss man sich keine Gedanken mehr machen. Doch genau das Gedankenlose scheint die Kundin zu stören, die ihre Postkarte nun an die Direktion weiterleitet: Dass Sie zweieinviertel Stunden lang Nummern abzogen ...
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Wumm, wieder ist einer gelandet! Ein echter Kontrapunkt zum leisen Tschaikowsky und dem sanft pastellenen Licht. Die Bretter des Prinzregententheaters sind berüchtigt für ihre Percussion-Akustik. Für Tanz eingeschränkt geeignet. For what goes up, must come down. Bei der Nurejew-Hommage «Thank you, Rudy!» lief vieles nicht glatt.
Vergessen wir das Rätselraten um...
Der Querkopf ist ein Charakterkopf. In Westdeutschland wäre er ein Querulant. In Ostdeutschland bewundert man ihn. Heimlich. Offen sagt keiner, dass Jo Fabian und seine denkstirnigen Thesen zum «Spektralsurrealismus» tolles Renitententum darstellen. Auf dem Berliner Tanzkongress wird er bei Hannah Hurtzig am 20. April vis-à-vis eines einzelnen Zuhörers die Kunst...
Wenn er eins nicht gelernt hat, dann das: Problemen aus dem Weg zu gehen. Thomas Lehmen stellt sich ihnen mit masochistischer Lust. So erweist sich Lehmen lernt am Ende als ein erheiternder Exkurs in Sachen Selbsterfahrung und -findung. Zunächst entpuppt sich der Performer allerdings als Kind im Mann, immer die Rassel griffbereit. Wie eine endlose Litanei...
