Über Kraft
Kleine Jungs saßen mal haufenweise vor dem Fernseher und schauten eine «Sportart» namens Wrestling. Jedes Feuilleton erwies diesem Theater der martialischen Kraftprotze seine Referenz, das man in Mexiko Lucha Libre nennt. Janina Möbius hat ihre Dissertation Und unter der Maske ... das Volk diesen maskierten Gladiatoren gewidmet. Den Theatersport beschreibt sie als ein Ritual, in dem der Schwächere mit viel Getöse und verabredetem Kampfablauf das Opfer spielt – stellvertretend für das Volk: durch kunstvoll inszenierte Kraft (Vervuert-Verlag, Frankfurt/M. 2004).
Das Leiden, das Wiederauferstehen, das Stürzen und Bespringen des Körpers beruht auf Techniken, die nie als solche zu erkennen sein sollen. Es aber sind. Diese «heimliche» Mitwisserschaft des Publikums in den großen Stadien macht das ritualisierte Spiel zu einer Choreografie mit scheinbar offenem Ausgang. Halb Theater, halb Sport, ist die dargestellte Kraft in Mexiko seit etwa 1933 ein Volksfest. Hat dieses Theater der Kraft ästhetische Größe? Mirjam Schaub und Stefanie Wenner leiteten 2002 das Berliner Graduiertenkolleg «Körper-Inszenierungen» zum Thema Körper-Kräfte, Diskurse der Macht über den Körper (Transcript, ...
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