Golem kehrt wieder
Es ist wieder soweit. «Ungefähr alle dreiunddreißig Jahre» geschieht es, «dass ein vollkommen fremder Mensch, bartlos, von gelber Gesichtsfarbe und mongolischem Typus, aus der Richtung der Altschulgasse her, in altmodische, verschossene Kleider gehüllt, gleichmäßigen und eigentümlich stolpernden Ganges, so, als wolle er jeden Augenblick vornüber fallen, durch die Judenstadt schreitet und plötzlich – unsichtbar wird.
»
Gustav Meyrink hat ihn in seinem 1915 erschienenen Roman «Der Golem» so erstehen lassen, und er ist es auch, der die Mystifikation des sagenhaften Rabbi Löw von Generation zu Generation fortschreibt: eine künstliche Kreatur, die nicht jedermann zu Willen ist – schon gar nicht fassbar selbst für die, die ihm einst zum Leben verholfen haben.
In «Ibbur aneb Prazské mystérium» ist der Golem allgegenwärtig, und so wie ihn Roman Solc kostümiert – mit weißer Gesichtsmaske, dunklem Anzug und schwarzem Schlapphut –, sieht er dem «Phantom der Oper» zum Verwechseln ähnlich: eine Fiktion, in der sich hier nicht bloß Athanasius Pernath bespiegelt. Auch das «Ich», das Zuska und sein Librettist und Ko-Regisseur Daniel Wiesner als psychiatrischen Patienten hinzuerfunden haben, scheint ...
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