pia meuthen
Pia Meuthen überzeugt als feinsinnige Beobachterin und geschickte Rhetorikerin, wenn sie im selbstironisch-heiteren Psychogramm «Go tell the women (we are leaving)» ihren Fokus auf das männliche Individuum in der Gruppe richtet. Messerscharf seziert die Choreografin in diesem Kurzstück zur Musik von Jeroen Strijbos die nonverbale Kommunikation zwischen drei Teppichetagen-Machos in Kittel und Krawatte und führt deren leere Geschäftigkeit in einem tänzerisch-akrobatischen Crescendo ad absurdum.
Mit nonchalanter Beiläufigkeit baut sie Spannung auf: Ausgehend von allgemeinen Ritualen und Codices wie Händeschütteln, Schulterklopfen und stereotypem Konsensnicken findet Meuthen zu entlarvenden Bewegungsbildern und durchleuchtet Verhaltensmuster, in denen Schein und Sein, Gesagtes und Gemeintes sich widersprechen. Diese tänzerische und zuweilen bitterböse Art der Reflexion hat Tempo und Poesie und einen hohen Unterhaltungswert. Obwohl sich die drei Tänzer (hervorragend: Miquel de Jong, Miguel Fiol Duran, Nickolas van Corven) unterschiedlicher Tanzstile von Modern bis Hip-Hop bedienen, ist das Resultat stimmig und hat Tiefenschärfe. Fazit: In diesem Dramolett, in dem zum Schluss der coole ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2014
Rubrik: die hoffnungsträger, Seite 164
von Marianne Mühlemann
Jiří Kylián, Sie haben für drei Jahre die Aufführungsrechte für Ihre Werke zurückgezogen, soweit sie das Nederlands Dans Theater betreffen. Was bezwecken Sie mit dem Moratorium, das ja letztlich auch etwas von einer Zwangsmaßnahme hat?
Es ist ein vielschichtiger Entschluss. Zunächst einmal: Das Nederlands Dans Theater wurde nicht zuletzt deshalb ins Leben gerufen,...
Mitsutake Kasai hat einen berühmten Vater: den legendären Butoh-Tänzer und Choreografen Akira Kasai, der ab 1972 mehrere Jahre in Deutschland lebte und später den Sohn die Kunst des Butoh lehrte. Zeitgenössischen Tanz studierte er bei Kota Yamazaki, der oft in den Stücken seines Vaters tanzte. Nach weiterführenden Studien in New York begann Mitsutake Kasai, eigene...
«Ich bin der stille Schatten im Hintergrund», sagt Christopher Roman einmal in der Mitte des langen Gesprächs. Wenn es um die Forsythe Company geht, ist die Rede zur Zeit meist von William Forsythe selbst, der die Leitung aus gesundheitlichen Gründen abgegeben hat, aufgeben musste, und Jacopo Godani, der ab August 2015 an die Spitze einer Truppe rückt, die dann...
