pia meuthen
Pia Meuthen überzeugt als feinsinnige Beobachterin und geschickte Rhetorikerin, wenn sie im selbstironisch-heiteren Psychogramm «Go tell the women (we are leaving)» ihren Fokus auf das männliche Individuum in der Gruppe richtet. Messerscharf seziert die Choreografin in diesem Kurzstück zur Musik von Jeroen Strijbos die nonverbale Kommunikation zwischen drei Teppichetagen-Machos in Kittel und Krawatte und führt deren leere Geschäftigkeit in einem tänzerisch-akrobatischen Crescendo ad absurdum.
Mit nonchalanter Beiläufigkeit baut sie Spannung auf: Ausgehend von allgemeinen Ritualen und Codices wie Händeschütteln, Schulterklopfen und stereotypem Konsensnicken findet Meuthen zu entlarvenden Bewegungsbildern und durchleuchtet Verhaltensmuster, in denen Schein und Sein, Gesagtes und Gemeintes sich widersprechen. Diese tänzerische und zuweilen bitterböse Art der Reflexion hat Tempo und Poesie und einen hohen Unterhaltungswert. Obwohl sich die drei Tänzer (hervorragend: Miquel de Jong, Miguel Fiol Duran, Nickolas van Corven) unterschiedlicher Tanzstile von Modern bis Hip-Hop bedienen, ist das Resultat stimmig und hat Tiefenschärfe. Fazit: In diesem Dramolett, in dem zum Schluss der coole ...
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Tanz Jahrbuch 2014
Rubrik: die hoffnungsträger, Seite 164
von Marianne Mühlemann
tanz__Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance
__Herausgeber / publisher Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
__Redaktion / editorial office Marina Dafova, Hartmut Regitz, Arnd Wesemann, Mitarbeit: Sofie Goblirsch, Marc Staudacher, Dorion Weickmann
Knesebeckstraße 59-61, D-10719 Berlin, Tel +49-(0)30-254495-20, Fax -24, redaktion@tanz-zeitschrift.de,...
Einer der hammerharten Sprüche des samoanischen Theatermannes und Choreografen Lemi Ponifasio geht so: «Gott mag die Künstler nicht, weil sie selbst Schöpfer sind.» Was er da sagt, zeugt von absolut unerschütterlichem Selbstbewusstsein und einer Freigeisterei, die man angesichts der blitzblank-schönen Oberfläche seiner Stücke erst einmal nicht vermuten möchte....
Sie besitzt das alabasterfarbene Gesicht eines Märchenwesens mit hohen Wangenknochen und schönen, dabei fest entschlossenen Lippen. Im Blick ihrer wachsamen Kinderaugen liegt Ernst, bisweilen Argwohn. Sie neigt dazu, auf Fragen zunächst mit entwaffnender Direktheit zu antworten, um dann, im Nachgang, noch einmal eine diplomatischere Replik zu formulieren. Wie die...
