anas abdul samad

Tanz - Logo

Eigentlich ist er Theaterregisseur, aber seine Arbeit ist so choreografisch, dass sie auch die Tanzgemeinde begeistert. Bilder aus Bewegung, Licht, verschlüsselter Handlung und beklemmender Atmosphäre. Ein verwischter Spuk wie aus einer Schreckenskammer, umstellt von Videoscreens mit Großaufnahmen von Insekten, deren aggressives Angriffssummen die Stille durchbricht und mit Gefahr auflädt.  Alles ist beunruhigend, vieles unverständlich, aber es lässt einen nicht los. Es gibt keine Sprache, nur Blicke, Gesten, Reaktionen, dazu die fast schon  unheimliche Präsenz der Akteure.

Anas Abdul Samad, so heißt der Regisseur, Choreograf, Albträumer aus Bagdad. Seine Stücke zeigen, was das bedeutet. Sie erschaffen eine Welt aus Furcht und Verstörung, alles ist auf gespenstische Weise nah und fern zugleich, ein gefrorener Schrei, den niemand hört und doch jeder weiß.

Eine solche Kunst kann nur dort entstehen, wo die Angst zum Alltag gehört. Dabei ist sie nicht Anklage, eher Situationsbeschreibung, Bestandsaufnahme, symbolisch überhöht und doch sehr direkt, eine szenische Geheimsprache für Gleichgesinnte, mit durchaus ambitionierter Ästhetik. Ein Stück, das «Scolding» heißt und nur als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2014
Rubrik: die hoffnungsträger, Seite 167
von Renate Klett

Weitere Beiträge
richard siegal

Wenn man meint, dass Richard Siegal sich in eine Richtung bewegt, dann ist er mit dem nächsten Stück schon wieder woanders. Er probiert die Dehnbarkeit und die Sinnhaftigkeit technischer Spielereien im Kontext eines Bühnenwerkes aus. Er setzt sich mit der Bedeutung des Tanzerbes auseinander. Er baut auf die Kraft der Crowd. Er tanzt solo, er bringt die Masse in...

josee howard bowman

Als der Regisseur Christian Lollike gemeinsam mit der aus den Reihen des Königlich Dänischen Balletts rekrutierten Gruppe Corpus die Arbeit an seinem Stück «I FØLING – en krigsballet» aufnahm, wusste er noch nichts von jenem Pionier-Projekt, das am dortigen Theater schon länger existiert: Seit 2010 werden dort auf Initiative der Tänzerin Josee Howard Bowman und der...

vladimir varnava

Vladimir Varnava gehört fraglos zu jenen vielversprechenden neuen Choreografen Russlands, die vor dem Hintergrund einer klassisch-folkloristischen Ballett-Ausbildung ein ausgeprägtes Interesse an der Entwicklung eines zeitgenössischen, selbstreflexiven Stils erkennen lassen. Gewicht, Atem, Aussagekern der Bewegung, innerer Rhythmus, Geist und Seele seiner Tänzer –...