anas abdul samad
Eigentlich ist er Theaterregisseur, aber seine Arbeit ist so choreografisch, dass sie auch die Tanzgemeinde begeistert. Bilder aus Bewegung, Licht, verschlüsselter Handlung und beklemmender Atmosphäre. Ein verwischter Spuk wie aus einer Schreckenskammer, umstellt von Videoscreens mit Großaufnahmen von Insekten, deren aggressives Angriffssummen die Stille durchbricht und mit Gefahr auflädt. Alles ist beunruhigend, vieles unverständlich, aber es lässt einen nicht los. Es gibt keine Sprache, nur Blicke, Gesten, Reaktionen, dazu die fast schon unheimliche Präsenz der Akteure.
Anas Abdul Samad, so heißt der Regisseur, Choreograf, Albträumer aus Bagdad. Seine Stücke zeigen, was das bedeutet. Sie erschaffen eine Welt aus Furcht und Verstörung, alles ist auf gespenstische Weise nah und fern zugleich, ein gefrorener Schrei, den niemand hört und doch jeder weiß.
Eine solche Kunst kann nur dort entstehen, wo die Angst zum Alltag gehört. Dabei ist sie nicht Anklage, eher Situationsbeschreibung, Bestandsaufnahme, symbolisch überhöht und doch sehr direkt, eine szenische Geheimsprache für Gleichgesinnte, mit durchaus ambitionierter Ästhetik. Ein Stück, das «Scolding» heißt und nur als ...
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Tanz Jahrbuch 2014
Rubrik: die hoffnungsträger, Seite 167
von Renate Klett
Mitsutake Kasai hat einen berühmten Vater: den legendären Butoh-Tänzer und Choreografen Akira Kasai, der ab 1972 mehrere Jahre in Deutschland lebte und später den Sohn die Kunst des Butoh lehrte. Zeitgenössischen Tanz studierte er bei Kota Yamazaki, der oft in den Stücken seines Vaters tanzte. Nach weiterführenden Studien in New York begann Mitsutake Kasai, eigene...
Die Federn der Fachpresse wider seine Berufung sind gespitzt, manches Messer zum genüsslichen Tranchieren der Personalie scheint dauergewetzt. Über seinen Zenit als Choreograf sei er hinaus, wird gewettert. Rein sachlich tritt Nacho Duato als neuer Intendant beim Staatsballett Berlin ein zwiespältiges Erbe an. Er übernimmt eine formidable, konkurrenzfähige...
Ein Nebeneffekt der Aufbewahrung von irgendetwas in einem Raum, den wir Museum nennen, ist das Anwachsen seiner Bedeutung in den Augen des Besuchers, unabhängig davon, ob er sie erkennt oder nicht. Man hat es ausgestellt, dann wird es bedeutend sein. Man hat es gedruckt, dann wird es gut sein. Es kostet 10.000 Euro, dann muss es auch was wert sein. Wenn es der Mühe...
