Im Garten der Lüste
«Take my lovely illusions», singt Marlene Dietrich. Wer noch Illusionen hat, vergisst sie am besten, denn bei Stijn Celis geht es gleich zur Sache. Zu Beginn seines Stücks «Hidden Garden» lässt der Berner Tanzdirektor die Tänzer nackt auftreten und muntere Blicke ins Publikum werfen. Der paradiesische Zustand dauert nicht lang. Bald liegen auch die Seelen und die Nerven blank. Die Frauen umwerben verzweifelt die zerstreut wirkenden Herren in den weißen Tutus. Die kecken Manöver des Werbens verwandeln sich in plumpe Anzüglichkeit, Unterwerfung, Erniedrigung und Selbstverletzung.
Der Titel «Hidden Garden» mutet in diesem Zusammenhang rätselhaft an, denn verborgen oder unausgesprochen bleibt an diesem Abend gar nichts.
Es geht um Liebe, Sehnsucht nach Entgrenzung zwischen Ich und Du, Projektionen und sexuelle Fantasien, Hingabebereitschaft und Zurückweisung. Darüber wird heftig und viel gesprochen. Das Sprechen scheint der Kompanie aber weniger zu liegen als das Tanzen, das oft eine Art Zurichtung, ein Kampf mit dem Körper ist. Unermüdlich werden Bewegungslinien gebrochen, die Glieder verschraubt, die Körperachsen verschoben.
Nur Hildur Óttarsdóttir wirbelt im bodenlangen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Es war einmal ...» wird man in Hannover bald sagen und nicht nur das gleichnamige Ballett von Stephan Thoss meinen, das sich seit seiner Premiere wachsender Beliebtheit erfreut. Konfrontiert mit einem Intendanten, der künftig eher den Rückschritt sucht, zieht er aus freien Stücken den Kürzeren – und kündigt zum Ende der nächsten Spielzeit. Des designierten...
Es macht nur noch bedingt Sinn, von Zeiten zu schwärmen, in denen es den Künsten besser ging – als der Bürger noch den Willen besaß, sich im aristokratischen Nachglanz des Balletts zu baden. Und den Tanz tatsächlich als sinnliches Bildungsgut zu begreifen. Doch die Mär von der Ökonomie ist längst überall eingezogen: Kultur wird nach Angebot und Nachfrage bewertet....
www.tanztheater-global.com hat keinen üblen Anspruch. Auf der ganzen Welt tanzen und doch zu Hause bleiben und Internet schauen. Neulich im Berliner Dock 11 zeigte die Gründerin von Tanztheater Global, Be van Vark, folgenden Digi-Tanz: Die Kamera kreist durch ein schäbiges Zimmer, immer um die eigene Achse herum, und die Tänzer liegen, stehen, fallen bei jeder...
