Hindernislauf
Egon Seefehlner, meinen «Entdecker», habe ich zeitlebens tollkühn genannt, weil er, als Generalintendant der Deutschen Oper in Berlin so erfolgreich wie erfahren, es gewagt hat, einen tanzaffinen Journalisten zum Ballettdirektor der Wiener Staatsoper zu berufen. Wie er dazu kam, erfuhr ich erst vor zehn Jahren. Klaus Geitel, sein tanzkritisches Gegenüber in Berlin, erzählte mir, dass er es gewesen ist, der das eigene «Nein» zu einer Berufung nach Wien mit einem Fingerzeig auf mich verknüpft hat. Wie auch immer: Ich war eine Notlösung, und die Erfolgschancen lagen kaum über null.
Ich hatte keine Führungserfahrung und bestenfalls Ahnungen davon, wie es hinter jenem Vorhang zugeht, der mich bis dahin von jedem Bühnengeschehen trennte. Wo zwei Jahre ein Minimum gewesen wären, verblieben mir zur Vorbereitung auf den «Job» acht Monate. Wie viele und welche Berühmtheiten die Einladung zuvor bereits ausgeschlagen hatten, weiß ich nicht. Eine davon mag ein gerade aufgehender Ballettstern namens John Neumeier gewesen sein. Meine Ernennung 1976 war begleitet von einem journalistischen Feuerwerk. Gezündet hat es ein Kulturredakteur der Zeitung «Die Presse», der gerade zum «Persönlichen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2023
Rubrik: John Neumeier, Seite 110
von Gerhard Brunner
Eines Tages im Jahr 1974 habe ich meine Zahnspange kurz vor der Pforte des Opernhauses Wuppertal in eine blaue Seifendose gesteckt, habe den Pförtner gegrüßt und bin – noch bevor er etwas fragen konnte – im Ballettsaal des Tanztheaters Wuppertal verschwunden. Ich bin an jenem Tag dorthin gegangen, um zu erfahren, was mich eigentlich dazu bewegte, dorthin zu gehen.
...
Wie so vielen Kollegen, die ihre neue Direktion mit tollen Projekten antreten wollten, vermasselte auch ihr die Pandemie den Einstieg. Aber Bridget Breiner setzte beim Wechsel von Gelsenkirchen zum fast dreimal so großen Badischen Staatsballett ihre eigenwillige Programmierung fort und gestaltet seitdem einen erstaunlichen Spielplan, der in den Ballettabenden eben...
Drei kleine Geschichten, die ich mit Pina erlebt habe, all die Jahre, in denen wir zusammen mit dem Tanztheater um die Welt getanzt sind. In verschiedenen Ländern, Kulturen, Sprachen, geografischen Klimazonen. Wir haben viel getanzt, wir haben viel gelacht, wir haben geweint, wir haben noch mehr getanzt, wir haben wieder gelacht, einige Male erschöpft vor...
