Filipe Portugal
Wer sagt eigentlich noch, Choreografieren könne man nicht lernen? Zumindest nicht durch ein Studium? Filipe Portugal jedenfalls hat studiert, und er hat gelernt. Das zeigte Ende Mai das Festspiel «Heimlich seufzen die Winde» in der Klosterkirche Königsfelden bei Brugg im Schweizer Kanton Aargau. Den aus Portugal stammenden, langjährigen Solisten im Ballett Zürich kennt man schon seit einigen Jahren als feinen, höchst musikalischen Choreografen. Seine Ballette waren der Neoklassik verbunden, mit Spitzentanz und einer Eleganz, die hoch hinaus wollte.
Sie waren immer schön, aber häufig etwas brav, als müssten sie erst lernen, das, was sie wollen, auch zu tun. Dann allerdings schrieb sich Portugal bei der Zürcher Hochschule der Künste für den Master-Studiengang «MA Dance, Choreography» ein – und seine Ballette sind mit ihm gewachsen, haben an Kraft und Energie gewonnen. Am Festspiel «Tanz & Kunst Königsfelden» lässt er in der Klosterkirche zehn Tänzerinnen und Tänzer zu live gesungenem und gespieltem Fado tanzen, schickt sie in den Boden, lässt Arme fliegen und Hände flattern. Dies mit der Musikalität, die von seinen Arbeiten am Opernhaus Zürich her bekannt ist. Das renommierte ...
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Tanz Jahrbuch 2023
Rubrik: Wegweisend, Seite 151
von Lilo Weber
Was die jüngste Generation von Choreograf*innen angeht, zeigt sich die Szene in Post-Covid-Zeiten ohne Frage organisierter als noch während der Pandemie. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass mit der vorsichtigen Wiederkehr von sogenannten «Auteur-Produktionen» ein Rückgang bei den neuen Performances zu verzeichnen ist. Auf der einen Seite mag das begrüßenswert...
Eines Tages im Jahr 1974 habe ich meine Zahnspange kurz vor der Pforte des Opernhauses Wuppertal in eine blaue Seifendose gesteckt, habe den Pförtner gegrüßt und bin – noch bevor er etwas fragen konnte – im Ballettsaal des Tanztheaters Wuppertal verschwunden. Ich bin an jenem Tag dorthin gegangen, um zu erfahren, was mich eigentlich dazu bewegte, dorthin zu gehen.
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19. März 1973
– Abnehmender Dreiviertelmond. Ich bin fünf Jahre alt. Ich weiß nichts über Tanz. Aber ich tanze für mein Leben gern. Vor allem in meinem Zimmer, wo die Couch ihre Doppelfunktion als offizielle Sitzgelegenheit und als Crashpad für meine Stunts erfüllt. Arno Wüstenhöfer, Generalintendant der Wuppertaler Bühnen, engagiert Pina Bausch als Choreografin...
