Großbritannien und Spanien 2021

Dauerpause hier, Dauerspiel dort: Die Briten kämpften mit Theater-Knockout und Brexit, die Spanier pochten darauf, dass Kultur ein Grundrecht ist und machten einfach weiter

Einen Länderreport soll ich schreiben, bittet die Redaktion, wo ich doch in England lebe und viel in Spanien bin. Ich sage mehrfach nein und dann doch ja. Dabei zeichnet sich diese Spielzeit dadurch aus, dass ich in England praktisch nonstop, in Spanien aber nur ein einziges Mal war, nämlich letzten Dezember, in Barcelona.

Andersherum wäre länderreportmäßig besser gewesen, denn während in England die Theater länger als im europäischen Durchschnitt geschlossen blieben, wurde in Spanien nach dem ersten, harten Lockdown vielerorts durchgespielt, auch wenn das Virus besonders heftig grassierte, Sperrstunden galten und Landkreisgrenzen dicht machten. Bestaunte ich spanischen Kollegen gegenüber mal wieder ungläubig den Luxus eines Live-Publikums, hielt man mir gern den Satz entgegen: «Kultur ist ein Grundrecht.»

Es ist einer, den der Minister für Kultur und Sport, José Manuel Rodríguez Uríbes, gern ausspricht. Aus dem Munde eines Professors für Rechtsphilosophie ist das nicht eine schmissige Floskel, sondern eine Anspielung auf den Sozialpakt der Vereinten Nationen. «Die Vertragsstaaten erkennen das Recht eines jeden an, am kulturellen Leben teilzunehmen», heißt es dort in Artikel 15. ...

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Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: Parkett international, Seite 144
von Wiebke Roloff-Halsey

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