Jenseits
«Guck’ mal, was die Frau da macht». Der Vater schiebt sein Kind vor ein Ladenlokal in einer Nebenstraße der Essener Innenstadt. Eine Schaufensterpuppe legt ihre Hand gegen die Scheibe. «Sind die echt?», fragt der Kleine. Der Schweiß ihrer Hände kondensiert gegen das Glas. Die Ware lebt, doch wahre Kunst darf man nicht anfassen. Sie ist unverkäuflich, sie hat einen hohen Preis: Zeit. Das Verfallsdatum ist nah. Schnell einen der vier Kopfhörer greifen, die vor der Tür baumeln, den Beat in sich aufnehmen.
Drinnen posieren zwei surreale Frauengestalten mit Sonnenbrille, in purpurnen, hochgeschlitzten Samtroben mit Faltenwurf, in höfischer Eleganz auf zwei Podesten, getrennt durch den Eingang. Tanzen in somnambuler Spannung, völlig entrückt. Wie zum Schuss zielen Annegret Thiemann und Kerstin Rünzel spiegelbildlich mit gestreckten Armen aufeinander.
Ihr Blick ist starr. Die Traumsequenzen, die sie bewegen, mischt Jo Fabian live im Hinterstübchen des Ladenlokals. Sepia-gefärbte Nostalgie-Sequenzen mit einem niedlichen Mädchen flimmern, Küchen-Alltag, Schriftzüge wie Rufe aus der Vergangenheit. Scharf geschnittene Erinnerungsscherben. Der Nachttisch Sigmund Freuds als Echo steht über ...
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