Kattrin Deufert und Thomas Plischke
Lieber Tanz
Sollte dieser Brief jemals bei dir persönlich ankommen, hoffen wir, dass du ihn lesen und ihn nicht ungeöffnet an den Absender zurückschicken wirst, auch wenn wir ihn nicht an deine private Adresse verschicken konnten. Leider kennen wir
weder deinen aktuellen Wohnsitz noch deinen richtigen Namen und wählen deshalb diesen öffentlichen Umweg für unsere Kommunikation. Ein guter Freund hat uns vor kurzem erzählt, dass du deine Einsamkeit sogar genießen kannst, weil sie dich über dein Alter und dein Aussehen hinwegtäuschen kann.
Angeblich sollst du im Untergrund leben, damit niemand dich mehr aus deiner Heimat vertreiben kann. Auch lebst du wohl im Widerstreit deiner Seele und im ewigen Zwist mit deinen nächsten Verwandten. Wie ein ungezogenes Kind, das von allen noch mehr geliebt werden will, leugnest und verachtest du deine vielen Geschwister, weil sie die Einzigen sind, die dich auf dein wahres Alter und auf deine ursprüngliche Gestalt zurückverweisen können. Aber das Spiel um Liebe und Anerkennung, um Reichtum und Macht auf der Straße hat dich alt und müde gemacht, noch bevor du angefangen hast, sprechen zu lernen und auf beiden Füßen stehen zu können. Was hättest du uns ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als im Herbst vergangenen Jahres der Kurator des deutschen Biennale-Pavillons in Venedig neben dem Maler und Bildhauer Thomas Scheibitz als zweiten Künstler Tino Sehgal nannte, da schauten Kenner der Tanzszene doch recht verwundert. War das nicht jener junge Choreograf, der zwei Jahre zuvor mit seinem Stück «Das 20. Jh.» aufgetreten war und splitternackt klassische...
Am 28. Mai um 19 Uhr 35 ist der Tsunami, der in Südostasien Hunderttausenden das Leben gekostet hat, in der Dortmunder Oper angekommen. Der im chinesischen Dalian geborene, in Peking und bei Folkwang in Essen ausgebildete Xin Peng Wang, seit Herbst 2003 Ballettdirektor des Hauses, hat den Tsunami in seiner dritten Dortmunder Premiere in ein Artefakt verwandelt....
Kreative Tanzerziehung tut Kindern gut – und hat Folgen. «Es gibt weniger Konkurrenz, weil es auch beim Tanz keine Gewinner und Verlierer gibt.» Martin Burr, Sportlehrer an einer Kölner Grundschule, geriet wie mancher Pädagoge ins Staunen: 37 Schulen setzten das Projekt «Tanz in der offenen Ganztagsgrundschule» 2004 auf den Stundenplan – eine Entwicklung, die...
