Flugscham
Wir fliegen nicht mehr. Keiner soll mehr fliegen. Nach dem Künstler und Choreografen Tino Sehgal hat dies nun auch der französische Leitwolf unter den Tanzmachern so beschlossen: Jérôme Bel. Alle geloben, nur noch Zug zu fahren. Das schont die Umwelt. Findet wahrscheinlich auch Sasha Waltz, hält sich aber nicht dran. Sie flog samt ihrer Kompanie gerade zu einem Gastspiel nach Istanbul. Ging nicht anders. Der klassische Orient-Express existiert nicht mehr.
Ansonsten aber gibt sich die Bahn alle Mühe, mit ihrem jüngsten Slogan unser Lebensgefühl mehr als perfekt zu treffen: «Innen Ruhe, Außen 200». Gemeint ist der ICE, aber auch Europa. Hier herrscht innen: Ruhe. Was draußen passiert, ist weit weg und entwickelt sich rasend schnell, siehe China, ein Reich, das vernünftigerweise nur unter Zuhilfenahme von Kerosinschleudern erreichbar ist. Aber mal im Ernst: Brauchen wir dieses Draußen überhaupt? Wir haben doch Internet und die Medien. Wir lieben ressourcenschonendes Second Hand genauso wie die Zweite-Hand-Information aus der Algorithmen-Schleuder einer Handvoll von Medienkonzernen. Was die uns zu unser aller Beunruhigung darbieten – Klimawandel, Krieg und Erdbeben – sorgt schon heute ...
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Tanz Juli 2019
Rubrik: Warm-up, Seite 1
von Arnd Wesemann
CD des Monats: Tangos for Yvar
Das war ein Konzert, wie es zuvor noch keines gab: 88 Tangos aus 30 Ländern wurden am 14. April 1985 beim «North American New Music Festival» uraufgeführt – und zwar auf Grund einer Initiative von Yvar-Emilian Mikhashoff. Der war nicht nur einer der führenden Interpreten zeitgenössischer Klaviermusik, sondern ein überaus aktiver...
Bloß kein Handlungsballett. Luca Veggetti choreografiert zwar zu Arnold Schönbergs sinfonischer Dichtung «Pelleas und Melisande», die auf Maurice Maeterlincks symbolistischem Schauspiel basiert. Selbst den Titel «Am Ende unser Schatten» entnimmt er der dramatischen Vorlage, aber die handlungstragende Dreiecksbeziehung ist in die Abstraktion verschoben....
Der Oscar der Tanzwelt ging in diesem Jahr an eine Reihe hierzulande besonders vertrauter Namen: Zürichs Ballettchef Christian Spuck wurde für seine Choreografie «Winterreise» (tanz 11/18) ausgezeichnet, Elisa Carrillo Cabrera vom Berliner Staatsballett für die Verkörperung der weiblichen Titelrolle in Nacho Duatos «Romeo und Julia», ihre Kollegin Anna Laudere vom...
