Erinnern und Bedeutung

Ein Schlaglicht von Theatermagier Jo Fabian

Tanz - Logo

Ein Nebeneffekt der Aufbewahrung von irgendetwas in einem Raum, den wir Museum nennen, ist das Anwachsen seiner Bedeutung in den Augen des Besuchers, unabhängig davon, ob er sie erkennt oder nicht. Man hat es ausgestellt, dann wird es bedeutend sein. Man hat es gedruckt, dann wird es gut sein. Es kostet 10.000 Euro, dann muss es auch was wert sein. Wenn es der Mühe für wert befunden wird, für die Nachwelt aufbewahrt zu werden, so kommt es einem Zeugnis gleich, welches an Bedeutung gewinnt, je älter es ist.

Durch den Zuwachs an Bildung und Kultur, den man in einer solchen Konfrontation erfährt, nährt sich gleichzeitig die Gewissheit, dass alles, was wichtig und bedeutend ist, schon durch irgendeinen geheimen Mechanismus aufbewahrt werde.

Dummerweise ist es sehr schwierig, die Bedeutung zu erkennen, solange wir es noch vor Augen haben. Wenn es dann in Vergessenheit zu geraten droht, wenn es nicht mehr vorhanden ist oder in der Vergangenheit verlegt wurde, fangen wir an, uns wieder dafür zu interessieren.

__________ein bild der bewegten natur

Das Augenscheinliche wird bewusst. Die Bedeutung liegt für uns nicht in ihm selbst, sondern in seiner Abwesenheit. Unser Denken kann das in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2014
Rubrik: blick-einstellung, Seite 11
von Jo Fabian

Weitere Beiträge
Transfer

Bis heute lebt das Stuttgarter Ballett von John Crankos wenigen Werken. Wohl entsteht hier ständig Neues, aber die berühmten Handlungsballette – von «Romeo und Julia» (1962) über «Onegin» (1965) bis «Der Widerspenstigen Zähmung» (1969) – sind seit dem Tod des Choreografen im Jahr 1973 der finanziell stets einträgliche Grundstock der Kompanie und auch der Grund,...

pia meuthen

Pia Meuthen überzeugt als feinsinnige Beobachterin und geschickte Rhetorikerin, wenn sie im selbstironisch-heiteren Psychogramm «Go tell the women (we are leaving)» ihren Fokus auf das männliche Individuum in der Gruppe richtet. Messerscharf seziert die Choreografin in diesem Kurzstück zur Musik von Jeroen Strijbos die nonverbale Kommunikation zwischen drei...

josee howard bowman

Als der Regisseur Christian Lollike gemeinsam mit der aus den Reihen des Königlich Dänischen Balletts rekrutierten Gruppe Corpus die Arbeit an seinem Stück «I FØLING – en krigsballet» aufnahm, wusste er noch nichts von jenem Pionier-Projekt, das am dortigen Theater schon länger existiert: Seit 2010 werden dort auf Initiative der Tänzerin Josee Howard Bowman und der...