Choreograf des Jahres: Marco Goecke

Kein Stillstand, nirgends: Marco Goecke hat seine eigene, unverwechselbare Handschrift um etliche Schwünge erweitert und damit einen Kosmos der Träume und Alpträume bebildert

Ein intensiver, forschender, fast brennender Blick in die Augen – dann wirft sie den Kopf voller Schmerz zur Seite und wenig später auch er, in die andere Richtung. «Nachtmerrie» ist nur ein kurzes Duo, aber wieder gibt es bei der Uraufführung am Stuttgarter Ballett so viel Neues in Marco Goeckes Bewegungssprache, für deren Bezeichnung man sich deutschlandweit auf das Etikett «Flatterstil» und das Prädikat «nervös» geeinigt zu haben scheint.

Vom freakigen Geheimtipp der Ballettwelt ist der aus Wuppertal stammende Choreograf, der im nächsten Jahr 50 Jahre alt wird, binnen kurzer Zeit zum Ballettdirektor in Hannover aufgestiegen. Seine sprudelnde Schaffenskraft konnte auch die Pandemie nicht aufhalten, ganz im Gegenteil: Sechs neue Stücke, darunter zwei Abendfüller, hat er seit März 2020 geschaffen.

Gerade in letzter Zeit verändert sich sehr viel in Goeckes ohnehin einfallsreichem Idiom. «Wenn ich ein neues Stück mache, dann ist alles neu gemacht, jeder Schritt», sagt er: «Ich wüsste gar nicht, warum ich den Beruf machen sollte, wenn ich diese Schritte nicht hätte. Mich interessiert ja nicht, was hinten in der Ecke hängt oder was von oben kommt. Aber mich interessiert immer wieder, ...

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Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: The Winners Are, Seite 126
von Angela Reinhardt

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