Videogame

Das Medium bestimmt die Form.

Das ist doch mal eine schöne Geschichte. Eine mit Happy End, also zumindest scheinen die Akteure ganz zufrieden. Wie jede gute Geschichte ist sie ziemlich kompliziert. Viele Volten. Aber weil‘s so schön ist, hier schon mal das Ende vorweg: Die junge schwarze Tänzerin Jalaiah Harmon ist der Star im Clip «Video Game» von US-Musiker Sufjan Stevens. Ein bezauberndes Tanz-Musikvideo, schlicht, aber intensiv: Da orgeln Synthesizerklänge wie in der Kirche. Dann chilligsatte Drums, und die sanfte Stevens-Stimme singt: «I don‘t wanna play your video game».

Dazu tanzt Jalaiah Harmon im schwarzen Gaze-Hosenanzug vor psychedelisch-farbintensiven Backgrounds ihre coolen «Woah»-Arme: Schnörkel, Schlenker, Hit und Schwung. Kleine animierte Lichtkugeln umfliegen sie, zarte Blütenkelche, eine Libelle. Jalaiah als schwarze gütige Fee, sehr betörend. Nur manchmal steht sie auf einem kreisenden Podest wie ein Avatar im Shop von «Fortnite». Also doch bloß Gamer-Ware?

Von vorne: Ein 14-jähriges schwarzes Mädchen tanzt in seinem karg eingerichteten Kinderzimmer zum Song «Lottery» von K-Camp. Jalaiah Harmon lebt in Atlanta, will Tänzerin werden und lässt sich wie so viele ihres Alters von TikTok ...

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Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: Unterwegs, Seite 108
von Nicole Strecker

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