Immer auch Oper
In meinem Besitz befindet sich ein Papiertischtuch. Es ist fleckig und mit drei verschiedenen Handschriften bekritzelt: links jene von Rolf Borzik, dem früh verstorbenen Bühnenbildner und Lebensgefährten von Pina Bausch; in der Mitte jene der großen Tanzpoetin, rechts die des damaligen Wuppertaler Musikdramaturgen und Schreibers dieser Zeilen.
Es ist ein Tischtuch aus einem spanischen Restaurant in Wuppertal-Elberfeld, in das sich Pina Bausch allabendlich nach der letzten Probe mit ihrer Truppe zurückzog, und es dokumentiert eine Phase des für sie typischen Kreativprozesses um die Titelfindung für einen neuen Tanzabend – hier von «Renate wandert aus» (1977), einem dezidiert als «Operette» bezeichneten Abend.
Der Musikdramaturg am gleichen Tisch? In den ersten Jahren von Pina Bausch in Wuppertal galten dort Zuordnungen wie in den meisten Dreispartentheatern. Also war der Operndramaturg auch fürs Ballett zuständig, in diesem Fall eben für das Tanztheater der Bausch. Oper war freilich ein wichtiger Teil ihrer ersten Wuppertaler Zeit. 1972 hatte sie dort das Bacchanal für Kurt Horres’ Inszenierung von Wagners «Tannhäuser» choreografiert, eine Arbeit von ungeheurer erotischer Dynamik. ...
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