Spiel der Herzen

Mozart: Così fan tutte in Zürich

Opernwelt - Logo

Man muss nicht immer Opern gegen den Strich bürsten. Stoffe wie «Così fan tutte» entfalten gerade ohne krampfhafte Aktualisierung großen Reiz. Bei der Züricher Neuproduktion verlegt Sven-Eric Bechtolf die Geschichte in die Entstehungszeit des Werkes. Im wissenschaftsgläubigen Zeitalter der Aufklärung ist der von Don Alfonso (präsent: Oliver Widmer) angeregte Frauentreuetest ein Experiment. Die erste Szene auf der noch verengten Bühne wirkt wie ein Prolog. In einer Glasvitrine im Hintergrund stehen Tierskelette, Metronome, Apothekerfläschchen und Schmetterlingssammlungen.

Die Männer tragen Perücken und weiße Gehröcke (Kostüme: Marianne Glittenberg). Welche Irrungen und Wirrungen in der folgenden Versuchsanordnung in Gang gesetzt werden, hört man bereits in der Ouvertüre. Das Tempo, das Franz Welser-Möst im schnellen Teil anschlägt, ist extrem schnell. Die Imitationen der Holzbläser sind hart an der Grenze des Spielbaren, die Ablösungen zunächst noch etwas verwackelt. Aber schon bald hat sich das mit Barocktrompeten, Naturhörnern und Hammerflügel historisierte Orchester der Züricher Oper freigespielt. Franz Welser-Möst ist ganz nah bei den Sängern. Solche Pianokultur erlebt man ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2009
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Georg Rudiger

Vergriffen
Weitere Beiträge
Frischzellenkur

Herr Hengelbrock, Sie gelten als Nonkonformist. Was stört Sie am Musikbetrieb?
Es ist eine Tendenz unserer Zeit und auch des hemmungslosen Kapitalismus, dass alles komprimiert wird auf die bestmöglichen Verwertungsmöglichkeiten. Wenn ich Musik reduziere auf die rein technischen Parameter – höher, tiefer, lauter leiser –, dann komme ich zwar mit wenig Proben aus,...

Opferrituale

Bereits im Vorfeld hatte die Münchner «Aida»-Produktion Wellen geschlagen, als Barbara Frittoli die Titelrolle zurückgab – als Grund gab sie an, Probleme mit dem Stil von Neuinszenierungen in Deutschland zu haben. Sie hätte unbesorgt sein können. Christof Nel hat die am Machtkartell von Staat und Kirche zerbrechende Liebe zwischen der äthiopischen Kriegsgefangenen...

Apropos ... Papst

Frau Silja, in unserem letzten «Opernwelt»-Gespräch, das 1994 erschien, sagten Sie, es reize Sie auf der Bühne nur noch das  «Unmachbare». Was ist das konkret?
Das «Unmachbare» ist nicht erklärbar, ebenso wenig wie die großen Gefühle. Sie trotzdem ohne falsches Pathos umzusetzen, ist für mich das Faszinierende der Oper.

Sie haben sich vor einigen Jahren taufen...