Italienische Reise
In der letzten Szene von Donizettis «Maria Stuarda» betritt, jedenfalls in Pier Luigi Pizzis Inszenierung, mit dem einleitenden Chor auch der Henker die Bühne. Erst unentschlossen, sucht er seinen Platz und stellt sich, auf sein Beil gestützt, in Positur – ein lebendes Standbild seiner Profession. Er muss sich allerdings in Geduld üben, denn der Chor lässt sich viel Zeit, über die bevorstehenden Schrecken von Marias Hinrichtung zu sinnieren. Wenn Maria endlich kommt, schreitet sie würdevoll am Schafott vorbei, den Henker keines Blickes würdigend.
Dann nimmt sie Abschied von ihren Vertrauten, vereinigt sich mit ihnen im Gebet und äußert schließlich ihre letzten Wünsche. In einem ergreifenden Arioso verzeiht sie ihrer Widersacherin. Da kommt Leicester, mit dem sie sich in langen Abschiedskantilenen ergeht. Der Henker, ein stoischer Glatzkopf, verfolgt von seinem isolierten Stehplatz aus diese nicht enden wollende Belcanto-Orgie, ohne eine Miene zu verziehen. Schließlich wird es ihm doch zu viel, und er reißt Maria den Mantel von den Schultern. Doch die lässt sich nicht irritieren, hebt an zu einem letzten triumphalen Addio, bevor sie sich aufs Schafott bequemt. Fast eine halbe Stunde ...
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