Viva Napoli!
Maestro Muti, Sie sind ein leidenschaftlicher Anwalt der Musik Ihrer Heimatstadt Neapel. Umso mehr erstaunt es, dass Sie sich bei Rossinis «Moses» nicht für die neapolitanische Urfassung, sondern für die spätere französische Version entschieden haben...
... weil die zweite Version einfach die bessere ist. Rossini hat hier die Möglichkeit einer Überarbeitung genutzt, um das Stück zu einer echten Großen Oper zu machen. Die Fassung für Neapel ist sozusagen die Embryonalform und daher musikarchäologisch interessant.
Aber wenn ich die Wahl habe, würde ich mich immer für den französischen «Moïse» entscheiden.
Hat sich Rossini für Paris stark an den Geschmack des französischen Publikums angepasst?
Natürlich hat er den Konventionen der französischen Oper Genüge getan und große Ballette integriert. Aber die Dramatik seiner Musiksprache bleibt die gleiche, auch wenn man seine Melodien auf Französisch singt. Ich glaube ohnehin, dass die ernsten Opern Rossinis seine wichtigsten sind – trotz «Barbiere», «L’italiana» und «Cenerentola». Nehmen Sie «Wilhelm Tell», das ist eine Kathedrale der Oper! Mein Lehrer Antonio Votto hat mir erzählt, wie sein Lehrer am Konservatorium von Neapel ihm die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Rezension: Salzburger Festspiele
Die Zweifel, die Händel-Forscher Rainer Heyink im Booklet der Neueinspielung am mutmaßlichen Auftraggeber des «Rodrigo» äußert, scheinen nur allzu berechtigt: Sollte der toskanische Großherzog Ferdinando de Medici wirklich eine Oper bestellt haben, in der ausgerechnet der Herrscher als ziemlicher Versager porträtiert wird? Bei der Florentiner Uraufführung 1707...
Damals, in den studentenbewegten, morgenroten siebziger Jahren, ahnte wohl niemand, dass das schöne Italien, Sehnsuchts- und touristischer Wallfahrtsort unzähliger Nordlichter, eines Tages von Leuten regiert würde, die für die sogenannte «Hochkultur» nur Verachtung übrig haben. Statt, wie heute Berlusconi, die Theater, Orchester und Museen des Landes (nicht nur die...
Erinnern wir uns. Erinnern wir uns an Helsinki, September 2004. An das Meer, das auf unerklärliche Weise den Weg auf die Bühne der Finnischen Nationaloper genommen hatte, und an diesen transparenten, weiß und schwarz schimmernden Nachen, wie von Lohengrin ersonnen, aber nicht von ihm gezogen, darin ein Mann den Weg zur fernen, ja unsterblichen Geliebten suchte und...
