Zwischen Spaßbad und Grusel-Show

Leipzig: Gluck: Iphigenie in Aulis

Opernwelt - Logo

Der Leipziger Gluck-Zyklus geht weiter. Nach «Alkestis» (siehe OW 6/2010) hat Peter Konwitschny als zweites Stück seiner Auseinandersetzung mit dem Opernreformator die 1774 für Paris entstandene «Iphigenie in Aulis» inszeniert. Wieder geht es ihm – gut ideologiekritisch – darum, das Frauenopfer als Metapher und Basis der modernen Zivilisation freizulegen. Die Situation: Agamemnon, der griechische Feldherr im Krieg gegen Troja, hat eine der Diana heilige Hirschkuh getötet.

Die erzürnte Göttin verhindert daraufhin das Auslaufen der vor Aulis ankernden Flotte, indem sie Windstille schickt. Um in den Krieg segeln zu können, verlangt sie, dass Agamemnon seine Tochter Iphigenie opfert.

Konwitschny hat sich von Jörg Kossdorff eine pittoreske Szene bauen lassen – auf der runden Spielfläche das Zelt des Heerführers Agamemnon, links und rechts angedeutet die Zelte der Griechen, am Horizont die schlaff im Hafen liegenden Segelschiffe. Pittoresk und dem Willen geschuldet, sich von der Klassizität des antiken Stoffs nicht einschüchtern zu lassen, ist auch das Spiel. Für Konwitschny bietet die Handlung immer wieder Anlass zu grotesken Gags, die ihre Herkunft aus dem Comic nicht verleugnen – ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Belcanto im Dienste des Ausdrucks

Nach «Guillaume Tell» (1829) hat Rossini bekanntlich keine Opern mehr geschrieben und sich ins Privatleben zurückgezogen. Er fühlte sich künstlerisch ausgebrannt und wurde von verschiedenen Krankheiten geplagt. In den fast vier Jahrzehnten, die ihm noch zu leben blieben, betrieb er das Komponieren nur noch als Liebhaberei, schrieb neben geistlicher Musik zahlreiche...

Hier Melancholie, dort Machiavelli

Beschaut man die Szene, wird die Erinnerung an Schubert wach: Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus. Losgelöst von den Menschen, schwebt Lucia Ashton – soeben hat sie den ihr aufgezwungenen Gatten Arturo gemordet – im blutbefleckten Hochzeitskleid die Treppe hinab in den Saal (Bühne: Robert Pflanz), besteigt den festlich gedeckten Tisch, liegt dort,...

Stählerne Eleganz

Als David Gockley, der Generaldirektor der San Francisco Opera, bei Karita Mattila anfragte, ob sie die Emilia Marty in «Die Sache Makropulos» singen wolle, soll sie nur unter der Bedingung zugesagt haben, dass man Jirí Belohlávek als Dirigenten ans Haus hole. Mattila, so stellte sich heraus, lag gleich in zweifacher Hinsicht richtig: sowohl mit ihrer Entscheidung,...