Gewalt und Leidenschaft
Natürlich nehme «La traviata» die herbstlich-winterliche Position im Spielplan ein, wo das Haus «ganz bewusst die großen Dramen mit berühmten, gefühlvollen Melodien» zeigen will. Sagt Søren Schuhmacher, der neue Intendant am Theater Hagen, im Interview. Am Ende beweist auch Schuhmacher in seiner «Traviata»-Inszenierung, dass Giuseppe Verdi alles andere ist als ein Populist des Musiktheaters und hinter seinen «berühmten, gefühlvollen Melodien» ihre mitkomponierte Gefährdung durch finstre Mächte lauert.
Dennoch stellt sich für Theaterleitung und Regie immer wieder aufs Neue die Frage: Darf Verdi wehtun, ohne dem Publikum den Opernabend, zumal in der Vorweihnachtszeit, zu vermiesen? Zwei aktuelle Beispiele aus dem Bundesland mit den meisten Opernhäusern: «La traviata» in Hagen und «Nabucco» in Bonn geben mögliche Antworten.
Für Verdi ist Violetta Valéry, die «Kamelien -dame» aus dem Roman von Alexandre Dumas fils, keine luxusverliebte Sexarbeiterin, sondern eine Frau, die der heuchlerischen bürgerlichen Gesellschaft den Spiegel vorhält – spätestens ihr Tod verschafft der von allen als «verdorben» angesehenen Figur die moralische Überlegenheit. Søren Schuhmacher akzentuiert ihre ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Michael Struck-Schloen
Eine Steilvorlage für einen Vergleich bieten zwei neue «Rheingold»-Produktionen. Was sie eint, ist einmal die Tatsache, dass beide in Blickweite genau jenes Stroms stattfinden, auf dessen Grund das mythische Gold lagert. Zudem müssen sowohl die Oper Köln als auch das Theater Koblenz mit den Einschränkungen von Ersatzspielstätten leben. Das Drama von Köln ist...
Harald Schmidt treibt sich gern in Opernhäusern herum. Am liebsten in solchen, die in schönen Städten stehen, wie er beim Künstlertreffen nach der Aufführung freimütig zugibt. Graz ist eine schöne Stadt. Deshalb ist Schmidt hier. Aber wohl auch wegen des Stücks, in dem er mitwirkt und das mit seinem leisen Spott sehr gut zu ihm passt, Schostakowitschs Operette...
Selten dürfte das Interesse der Kritik an einer Kinderoper so groß gewesen sein wie Ende Oktober, als an der Hamburgischen Staatsoper die Intendanz von Tobias Kratzer eröffnet wurde. Nach der Premiere von Schumanns «Das Paradies und die Peri» am Abend zuvor kauerten die Rezensenten tags darauf auf dem Boden der «Opera stabile» nebenan, um sich die «Gänsemagd» von...
