Gewalt und Leidenschaft
Natürlich nehme «La traviata» die herbstlich-winterliche Position im Spielplan ein, wo das Haus «ganz bewusst die großen Dramen mit berühmten, gefühlvollen Melodien» zeigen will. Sagt Søren Schuhmacher, der neue Intendant am Theater Hagen, im Interview. Am Ende beweist auch Schuhmacher in seiner «Traviata»-Inszenierung, dass Giuseppe Verdi alles andere ist als ein Populist des Musiktheaters und hinter seinen «berühmten, gefühlvollen Melodien» ihre mitkomponierte Gefährdung durch finstre Mächte lauert.
Dennoch stellt sich für Theaterleitung und Regie immer wieder aufs Neue die Frage: Darf Verdi wehtun, ohne dem Publikum den Opernabend, zumal in der Vorweihnachtszeit, zu vermiesen? Zwei aktuelle Beispiele aus dem Bundesland mit den meisten Opernhäusern: «La traviata» in Hagen und «Nabucco» in Bonn geben mögliche Antworten.
Für Verdi ist Violetta Valéry, die «Kamelien -dame» aus dem Roman von Alexandre Dumas fils, keine luxusverliebte Sexarbeiterin, sondern eine Frau, die der heuchlerischen bürgerlichen Gesellschaft den Spiegel vorhält – spätestens ihr Tod verschafft der von allen als «verdorben» angesehenen Figur die moralische Überlegenheit. Søren Schuhmacher akzentuiert ihre ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Michael Struck-Schloen
Wie ein warmer Sonnenstrahl liegt die Sopranstimme von Eleonora Buratto, der «Sängerin des Jahres», über Orchester und Gesangsensemble in Giuseppe Verdis Komödie «Falstaff». Einst war sie Nannetta, eine Teenagerin, die ihre erste große Liebe erlebt und sich den Heiratswünschen ihres Vaters widersetzt. In dieser Rolle wurde Buratto 2013 bei den Salzburger...
Harald Schmidt treibt sich gern in Opernhäusern herum. Am liebsten in solchen, die in schönen Städten stehen, wie er beim Künstlertreffen nach der Aufführung freimütig zugibt. Graz ist eine schöne Stadt. Deshalb ist Schmidt hier. Aber wohl auch wegen des Stücks, in dem er mitwirkt und das mit seinem leisen Spott sehr gut zu ihm passt, Schostakowitschs Operette...
Yerma», das bedeutet soviel wie «ausgedörrt» und «unfruchtbar». Und es ist gewiss kein Zufall, dass auch die Titelfigur in Federico García Lorcas Drama diesen Namen trägt – eine junge Frau im ländlichen Andalusien, die sich mit Juan, den ihr Vater ausgesucht hat, nur verheiratet hat, weil sie sich in eine Mutterrolle flüchten will. Doch Jahr um Jahr vergeht, ohne...
