Gewalt und Leidenschaft

Zweimal Verdi: «La traviata» in Hagen und «Nabucco» in Bonn beeindrucken vor allem durch ihre musikalischen Energien

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Natürlich nehme «La traviata» die herbstlich-winterliche Position im Spielplan ein, wo das Haus «ganz bewusst die großen Dramen mit berühmten, gefühlvollen Melodien» zeigen will. Sagt Søren Schuhmacher, der neue Intendant am Theater Hagen, im Interview. Am Ende beweist auch Schuhmacher in seiner «Traviata»-Inszenierung, dass Giuseppe Verdi alles andere ist als ein Populist des Musiktheaters und hinter seinen «berühmten, gefühlvollen Melodien» ihre mitkomponierte Gefährdung durch finstre Mächte lauert.

Dennoch stellt sich für Theaterleitung und Regie immer wieder aufs Neue die Frage: Darf Verdi wehtun, ohne dem Publikum den Opernabend, zumal in der Vorweihnachtszeit, zu vermiesen? Zwei aktuelle Beispiele aus dem Bundesland mit den meisten Opernhäusern: «La traviata» in Hagen und «Nabucco» in Bonn geben mögliche Antworten.

Für Verdi ist Violetta Valéry, die «Kamelien -dame» aus dem Roman von Alexandre Dumas fils, keine luxusverliebte Sexarbeiterin, sondern eine Frau, die der heuchlerischen bürgerlichen Gesellschaft den Spiegel vorhält – spätestens ihr Tod verschafft der von allen als «verdorben» angesehenen Figur die moralische Überlegenheit. Søren Schuhmacher akzentuiert ihre ...

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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Michael Struck-Schloen

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