Gewalt und Leidenschaft

Zweimal Verdi: «La traviata» in Hagen und «Nabucco» in Bonn beeindrucken vor allem durch ihre musikalischen Energien

Opernwelt - Logo

Natürlich nehme «La traviata» die herbstlich-winterliche Position im Spielplan ein, wo das Haus «ganz bewusst die großen Dramen mit berühmten, gefühlvollen Melodien» zeigen will. Sagt Søren Schuhmacher, der neue Intendant am Theater Hagen, im Interview. Am Ende beweist auch Schuhmacher in seiner «Traviata»-Inszenierung, dass Giuseppe Verdi alles andere ist als ein Populist des Musiktheaters und hinter seinen «berühmten, gefühlvollen Melodien» ihre mitkomponierte Gefährdung durch finstre Mächte lauert.

Dennoch stellt sich für Theaterleitung und Regie immer wieder aufs Neue die Frage: Darf Verdi wehtun, ohne dem Publikum den Opernabend, zumal in der Vorweihnachtszeit, zu vermiesen? Zwei aktuelle Beispiele aus dem Bundesland mit den meisten Opernhäusern: «La traviata» in Hagen und «Nabucco» in Bonn geben mögliche Antworten.

Für Verdi ist Violetta Valéry, die «Kamelien -dame» aus dem Roman von Alexandre Dumas fils, keine luxusverliebte Sexarbeiterin, sondern eine Frau, die der heuchlerischen bürgerlichen Gesellschaft den Spiegel vorhält – spätestens ihr Tod verschafft der von allen als «verdorben» angesehenen Figur die moralische Überlegenheit. Søren Schuhmacher akzentuiert ihre ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Michael Struck-Schloen

Weitere Beiträge
Gegen das Vergessen

Remembrance» hat Marcel Brunner sein Debütalbum genannt, das mit Blick auf die gegenwärtige Weltlage Lieder präsentiert, in denen die Schrecken der beiden Weltkriege reflektiert werden. Er erinnert dabei auch an den hochbegabten Rudi Stephan, der 27-jährig bereits im ersten Kriegswinter 1915 an der Front starb. Es sind «ernste Gesänge» in Anlehnung an Brahms’...

Träumen erwünscht

Der Banyan-Baum besitzt in Taiwan eine hohe Symbolkraft. Sein breites Blätterdach bietet Schatten vor der subtropischen Sonne, Schutz bei nachmittäglichen Regengüssen und Platz für Schachspieler oder Picknickrunden. In Kaohsiung, mit 2,7 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt des Landes, wächst er auch auf dem Gelände von Weiwuying, einem ehemaligen...

Spannungslos

Erlösung heißt hier Hofstallgasse, das Flanierfeld vor den Festspielhäusern. Ein entspanntes Schlendern, händchenhaltend, vielleicht auf dem Weg zu einem G’spritzten. Und ein Blick zurück in die Videokamera: Holländer und Senta, nach letzten stimmtötenden Phrasen nun glücklich vereint. Man fürchtet ein wenig, dass sie zu Wagners finalen Takten auch noch winken. Es...