Zwischen den Welten
Was wohl der weise wie menschenkundige Doktor Marianus zu dieser Szene am Beginn des vierten Akts von «Les Indes galantes» anmerken würde? Er würde vermutlich schweigen, schmunzeln und sehr sanft sein Haupt schütteln. Denn rein gar nichts ist hier von jener reinen Minne zu spüren, die Marianus in der Bergschluchten-Szene aus Goethes «Faust II» besingt, von jener ernsthaften, tiefen, wahren Liebe, die des Mannes Brust ernst-zart bewegt und für ihn zur Quelle des Mutes, der Wonne sowie seines Seelenfriedens wird.
Diese Liebe sieht sich verwandelt in blindes, unproduktives, vor allem grob spekulatives Begehren, und dabei machen weder Damon, ein fescher französischer Offizier, noch sein Kompagnon Don Alvar, ein spanischer Grande, einen besonders guten, geschweige denn erhabenen Eindruck. Schauen, als ein Quintett aus platinblonden Cheerleadern hereinwedelt, aus gülden schimmernder Rüstung, mit hochmütiger Miene mal hier, da und dort hin, zupfen, während sie durch die Reihen scharwenzeln, keck-verwegen am Röckchen einzelner Damen, geben die galant-gescheiten Gockel, dass es eine (Un-)Art ist, wissen aber letztlich gar nicht, wer das Subjekt ihrer angeblich außergewöhnlichen Zuneigung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Otten
Nanu! Ist das nicht Michel Houellebecq? Dieser schmächtige Typ mit strähnigem Haar, der da rauchend im Bett liegt? Der dann sturzbetrunken zur Badewanne torkelt, um sich die Fußnägel zu lackieren?
Ja, zweifellos, er ist es. Der französische Kultautor ist in Elisabeth Stöpplers Inszenierung von Offenbachs letzter Oper «Les contes d’ Hoffmann» omnipräsent: Seine...
Über die Einteilung der Stimme in Fächer konnte sie nur lachen. Was für sie zählte, war allein die Klangrede aus innerer Notwendigkeit. Unerschöpflich schienen ihre vokalen Ressourcen, egal ob sie Gounod, Verdi,
Wagner, Strauss oder Spirituals sang. Selbst im Gespräch vermochte Jessye Norman zu elektrisieren. Erinnerungen an eine Künstlerin, die sich...
Anne Sofie von Otter in strengem Schwarz mit Gretchenfrisur als L’Opinion publique konnte dieses Jahr im Salzburger «Orphée aux enfers» mit der speziellen Sympathie des Publikums rechnen. Doch die «Öffentliche Meinung» schien auch an der Salzach weit über Offenbachs Opéra-bouffon hinaus wirksam. Sind ihre eigentlichen Spiel- und Jagdwiesen nun doch – es lebe die...
