Zwischen Bibliothek und Opernhaus / Zwischen 2 und 4 Uhr morgens
Einer derjenigen, die entdecken, die forschen, schürfen. Einer von denen in der Welt des Musiktheaters, die nicht «loslassen» können, wenn es um Unerforschtes, um Unentdecktes, genauer: um Opern und Opernstoffe geht, die am Rande des manchmal so einfallslos das Immergleiche aufbietenden Repertoires ihr Dasein fristen. Das war Andreas K. W. Meyer.
Meyer, im Juni 1958 in Bielefeld geboren, studierte nach einer musikreichen Kindheit und Jugend Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Germanistik in Münster.
Hernach arbeitete er als Rezensent unter anderem für die «Frankfurter Rundschau» und erstellte bald – und auch noch während seiner späteren Anstellungen – zahlreiche Beiträge für mehrere öffentlich-rechtliche Kulturradiosender.
Wer Meyer traf, der war sogleich beeindruckt von dieser charismatischen Persönlichkeit, die – mit einem Sinn für Ästhetik – Maßanzüge und langes graues Haar trug. Und noch viel mehr als das: kein Gang von Wohnung zum Opernhaus, ohne dass Meyer seine riesigen Stofftaschen gefüllt mit Partituren, Büchern und anderen Texten bei sich hatte. Ein sinnlicher Mensch, der jeder Note mit seinem Körper (nach)spürte; sei es bei Proben, sei es beim Studium in der ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Arno Lücker
Operneinakter gehen nicht, auch nicht im Doppelpack, heißt eine eiserne Theaterregel. Strauss’ «Salome» und «Elektra» gelten inzwischen als abendfüllend; eine Ausnahme wie das zwangsverheiratete Verismo-Paar «Cavalleria rusticana» und «Pagliacci» bestätigt nur die Regel. Frankfurts Intendant Bernd Loebe, kein Freund großer Worte, hat sich davon noch nie beirren...
Wenn seine Frau Martina ihn rief, wählte sie als Kosenamen gern die Titelfigur einer berühmten Verdi-Oper. Unzählige Male müssen die beiden «Il trovatore» gemeinsam erlebt haben; ein Stück, das für das Besetzungsbüro bekanntlich die einfache Herausforderung bereithält: Man muss für die Hauptrollen nur die vier besten Sänger der Welt engagieren, wie Enrico Caruso...
Voltaire bewunderte sie sehr. Adrienne Lecouvreur war die Erneuerin der französischen Theaterdeklamation, ihr früher Tod 1730 mysteriös; dazu Affären, eine gar mit Moritz von Sachsen: Ein Stoff wie gemacht für Eugène Scribes History-Thriller-Factory einhundert Jahre später, und noch im ersten Jahr des 20. Jahrhunderts fand Francesco Cilea hier das Sprungbrett für...
