Zwischen Bibliothek und Opernhaus / Zwischen 2 und 4 Uhr morgens

Der Operndirektor und Dramaturg Andreas K. W. Meyer ist gestorben

Opernwelt - Logo

Einer derjenigen, die entdecken, die forschen, schürfen. Einer von denen in der Welt des Musiktheaters, die nicht «loslassen» können, wenn es um Unerforschtes, um Unentdecktes, genauer: um Opern und Opernstoffe geht, die am Rande des manchmal so einfallslos das Immergleiche aufbietenden Repertoires ihr Dasein fristen. Das war Andreas K. W. Meyer.

Meyer, im Juni 1958 in Bielefeld geboren, studierte nach einer musikreichen Kindheit und Jugend Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Germanistik in Münster.

Hernach arbeitete er als Rezensent unter anderem für die «Frankfurter Rundschau» und erstellte bald – und auch noch während seiner späteren Anstellungen – zahlreiche Beiträge für mehrere öffentlich-rechtliche Kulturradiosender.

Wer Meyer traf, der war sogleich beeindruckt von dieser charismatischen Persönlichkeit, die – mit einem Sinn für Ästhetik – Maßanzüge und langes graues Haar trug. Und noch viel mehr als das: kein Gang von Wohnung zum Opernhaus, ohne dass Meyer seine riesigen Stofftaschen gefüllt mit Partituren, Büchern und anderen Texten bei sich hatte. Ein sinnlicher Mensch, der jeder Note mit seinem Körper (nach)spürte; sei es bei Proben, sei es beim Studium in der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Arno Lücker

Weitere Beiträge
Die langweiligen Weiber von Windsor

Wir sind in einem mittelalterlichen Märchenland des Ariost. Einem sagenhaften Schottenreich. Wir sind in der Oper. Eine Prinzessin, Ginevra, entsteigt dem Baldachinbett. Ihre Zofe, Dalinda, hält ihr bei der Morgentoilette neckisch ein britisches Boulevardblatt entgegen. Auf der Titelseite prangt das Konterfei der Königstochter neben dem ihres Anbeters. Ihm weiht...

Glückliche Stunden, wohin seid ihr entflohen?

Nichts Geringeres als die Frage nach dem Sinn des Lebens treibt den Komponisten Leoš Janáček in seinen beiden letzten Opern um: «Die Sache Makropulos», 1926 uraufgeführt in Brünn, ist eine groteske Parabel über die menschliche Sehnsucht nach Unsterblichkeit; seine Dostojewski-Vertonung «Aus einem Totenhaus», im Sterbejahr des Komponisten (1928) entstanden,...

Dschungeltiere

Seit 2015 leitet François-Xavier Roth die Kölner Oper als Musikchef: eine Zeit der Provisorien, des finanziellen Missmanagements und der organisatorischen Plagen, welche die bis heute nicht abgeschlossene Sanierung von Opern- und Schauspielhaus am Offenbachplatz mit sich brachte. 2025 wird Roth als Chefdirigent zum SWR Symphonieorchester zurückkehren, das er einst...