Bild des Lebens
Voltaire bewunderte sie sehr. Adrienne Lecouvreur war die Erneuerin der französischen Theaterdeklamation, ihr früher Tod 1730 mysteriös; dazu Affären, eine gar mit Moritz von Sachsen: Ein Stoff wie gemacht für Eugène Scribes History-Thriller-Factory einhundert Jahre später, und noch im ersten Jahr des 20. Jahrhunderts fand Francesco Cilea hier das Sprungbrett für seinen zweiten (letzten) Opernerfolg. Es mochte auch mit dem Uraufführungs-Maurizio zu tun haben, einem Tenor namens Enrico Caruso.
In die Nachwelt gerettet hat sich «Adriana Lecouvreur» allerdings als Diven-Oper, und jede Sängerin heute stellt sich in eine furchteinflößende Ahnenreihe: Sutherland, Olivero, Freni, Callas …
Ihre besten Momente hat Elena Moșuc, die in Liège ihre erste Adriana kreiert, in den Hits «Poveri fiori» und «Io son l’umile ancella». Da fügen sich weite Bögen und fein geformte Piani zu strahlender Trauer. Oft aber weiß sie, ein wenig unvorteilhaft matronenmäßig gewandet, nicht, wohin mit ihren Händen, oder weiß es zu gut und streckt sie in eine unbestimmte Höhe. Cilea ermöglicht seiner Heldin einen grandiosen Auftritt, und die Regie von Arnaud Bernard tut es ihm gleich: Das Volk – hier das ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Holger Noltze
Um das zehnjährige Bestehen des Linzer Opernhauses zu feiern, ist eine neue «Meistersinger»-Inszenierung eine gute Wahl. Noch dazu, wenn Markus Poschner und das Bruckner Orchester so transparent, so packend aufspielen und Paul-Georg Dittrich (Regie) und Sebastian Hannak (Bühne) sich der Szene derart originell annehmen. Selbst kecke Eingriffe – ein Kinderchor...
Wenn seine Frau Martina ihn rief, wählte sie als Kosenamen gern die Titelfigur einer berühmten Verdi-Oper. Unzählige Male müssen die beiden «Il trovatore» gemeinsam erlebt haben; ein Stück, das für das Besetzungsbüro bekanntlich die einfache Herausforderung bereithält: Man muss für die Hauptrollen nur die vier besten Sänger der Welt engagieren, wie Enrico Caruso...
Von Venedig nach Neapel: Nach Cavallis «La Calisto» zeigt das Teatro alla Scala nun «Li zite ’ngalera» (Die Verlobten auf der Galeere) von Leonardo Vinci und fügt seiner Auseinandersetzung mit dem Barockmusiktheater ein Stück hinzu, das bisher im Mailänder Spielplan fehlte. Bei Vincis Oper handelt es sich um eine Commedia per musica – die erste, deren Manuskript...
