Manricos Gefühl für Stimmen
Wenn seine Frau Martina ihn rief, wählte sie als Kosenamen gern die Titelfigur einer berühmten Verdi-Oper. Unzählige Male müssen die beiden «Il trovatore» gemeinsam erlebt haben; ein Stück, das für das Besetzungsbüro bekanntlich die einfache Herausforderung bereithält: Man muss für die Hauptrollen nur die vier besten Sänger der Welt engagieren, wie Enrico Caruso einmal gesagt haben soll. Manrico also wurde Josef Hussek von seiner Gattin gern genannt. Dabei hatte einer der größten Stimmkenner der vergangenen Jahrzehnte nie ernsthaft vor, selbst Sänger zu werden.
Doch die Faszination für die menschliche Stimme prägte sein Leben. Verdi wurde sein persönlicher Fixstern. Zu seinem ersten Wiener Stehplatzabend stand der «Rigoletto» auf dem Programm, es folgten «La traviata» und «Il trovatore». Es waren diese jugendlichen Lehrjahre im Rang, durch die Hussek Schönheiten wie Schwierigkeiten des gesamten Repertoires kennenlernte – in immer wieder neuen Besetzungskonstellationen, über die in Wien heftig gestritten wurde zwischen den Fans der Nilsson und der Rysanek oder der Fraktion von Di Stefano und Corelli. Hussek lernte schnell, kundig zu diskutieren und Unterschiede zu erkennen, auf die ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Peter Krause
Keine Kulissen, keine Möbel und erst recht nicht der Versuch, dem antiken Drama eine wohlfeile Aktualität zu verleihen. Nur farblich changierende Neonröhren, die den Gemütszustand der Figuren, und Kostüme, die deren Herkunft und Charakter symbolisieren. Mehr braucht es nicht. Am Theater Erfurt vertraut man voll und ganz Glucks Musik und der ihr innewohnenden...
Manchmal muss man improvisieren. Wegen eines Wasserschadens im Dezember 2022 ist die Bühne im Pfalztheater Kaiserlautern nach wie vor nicht bespielbar. Für die Produktion von Donizettis «L’elisir d’amore» musste ein Ausweichquartier gefunden werden. Die mehrfach verschobene Premiere fand nun in einem Zirkuszelt neben dem Kaiserslauterer Warmfreibad statt. Belcanto...
Herr Zeppenfeld, Anfang Februar haben Sie an der Dresdner Semperoper die Titelpartie in Verdis «Attila» gesungen, es folgte der Graf Rodolfo in Bellinis «La sonnambula». Ist es eine Genugtuung, dass Sie endlich wieder im italienischen Fach besetzt werden?
Irgendwie schon. Das Fach wird ja deutschen Sängern normalerweise nicht zugetraut. Und es ist eine Self-fulfill...
