Manricos Gefühl für Stimmen
Wenn seine Frau Martina ihn rief, wählte sie als Kosenamen gern die Titelfigur einer berühmten Verdi-Oper. Unzählige Male müssen die beiden «Il trovatore» gemeinsam erlebt haben; ein Stück, das für das Besetzungsbüro bekanntlich die einfache Herausforderung bereithält: Man muss für die Hauptrollen nur die vier besten Sänger der Welt engagieren, wie Enrico Caruso einmal gesagt haben soll. Manrico also wurde Josef Hussek von seiner Gattin gern genannt. Dabei hatte einer der größten Stimmkenner der vergangenen Jahrzehnte nie ernsthaft vor, selbst Sänger zu werden.
Doch die Faszination für die menschliche Stimme prägte sein Leben. Verdi wurde sein persönlicher Fixstern. Zu seinem ersten Wiener Stehplatzabend stand der «Rigoletto» auf dem Programm, es folgten «La traviata» und «Il trovatore». Es waren diese jugendlichen Lehrjahre im Rang, durch die Hussek Schönheiten wie Schwierigkeiten des gesamten Repertoires kennenlernte – in immer wieder neuen Besetzungskonstellationen, über die in Wien heftig gestritten wurde zwischen den Fans der Nilsson und der Rysanek oder der Fraktion von Di Stefano und Corelli. Hussek lernte schnell, kundig zu diskutieren und Unterschiede zu erkennen, auf die ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Peter Krause
Wir alle kennen die Arbeiten von Barrie Kosky. Und die meisten von uns lieben seine Produktionen. Koskys zehnjährige Intendanz an der Komischen Oper wurde geprägt von gefeierten Wiederentdeckungen und quietschbunten Produktionen; häufig mit dem Choreografen Otto Pichler an seiner (tänzerischen) Seite. Und wer bei den Aufführungen von Koskys Inszenierungen von...
Der Mensch erscheint, nein, leider nicht im Holozän, das wäre Literatur und, Max Frisch sei Dank, fürwahr eine formidable. Er erscheint im Anthropozän, als Zentrum allen Seins und Werdens, als geochronologische Konstante, als tellurische Macht, die Einfluss nicht nur auf das eigene Geschick nimmt, sondern massiv in die Natur und ihre organischen Verläufe eingreift....
Das Ding, um das es heute gehen soll,
Ist super alt, von Sechzehnhundertseben:
Es liebt der Orpheus seine «Dittsche» voll,
Am Arsch der Welt, genauer: Kreisstadt Theben.
Ein Ort, besetzt von vielen fiesen Tieren.
Die «Dittsche» stirbt am Biss von einer Viper,
Drum greift er prompt zum Instrument der Iren:
Zur Harfe – singt, da kommt vom Gate der Keeper
Und meint:...
