Vier Mal Leben
Operneinakter gehen nicht, auch nicht im Doppelpack, heißt eine eiserne Theaterregel. Strauss’ «Salome» und «Elektra» gelten inzwischen als abendfüllend; eine Ausnahme wie das zwangsverheiratete Verismo-Paar «Cavalleria rusticana» und «Pagliacci» bestätigt nur die Regel. Frankfurts Intendant Bernd Loebe, kein Freund großer Worte, hat sich davon noch nie beirren lassen. Auch in diesem Jahr mischt er seinen ohnehin wagemutigen, entdeckungsfreudigen Spielplan gleich mit zwei Doppelabenden auf.
Den Anfang machen im Bockenheimer Depot mit «The Prodigal Son» und «The Burning Fiery Furnace» zwei der drei Kirchenparabeln von Britten. Dieser schrieb die lehrhaften, zwischen 1964 und 1968 entstandenen Stücke, die Elemente des japanischen Nō-Theaters, der mittelalterlichen Mysterienspiele sowie des Brecht-Theaters aufgreifen, für die Parish Church im heimischen Suffolk. Der Regisseur Manuel Schmitt und sein Bühnenbildner Bernhard Siegl haben in der leergefegten Industriearchitektur des ehemaligen Straßenbahndepots die Anmutung eines Kirchenraums nachgestellt. Der breite Mittelgang, bedeckt mit sieben Ackerfurchen aus Lehm, dient als Spielfläche. Die Zuschauer sitzen auf Tribünen in den ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Uwe Schweikert
Die Hauptsache ist es, das Ballett zuerst aus dem Weg zu schaffen; die Oper allerdings ist so fesselnd, und ich mag die Geschichte so sehr» – so schrieb Peter Tschaikowsky an seinen Bruder Anatol. Die Oper war denn auch ein voller Erfolg, das Ballett dagegen langweilte bei der gemeinsamen Uraufführung 1892 am Petersburger Mariinski-Theater. Doch die Oper wurde...
Der Mensch erscheint, nein, leider nicht im Holozän, das wäre Literatur und, Max Frisch sei Dank, fürwahr eine formidable. Er erscheint im Anthropozän, als Zentrum allen Seins und Werdens, als geochronologische Konstante, als tellurische Macht, die Einfluss nicht nur auf das eigene Geschick nimmt, sondern massiv in die Natur und ihre organischen Verläufe eingreift....
Wenn seine Frau Martina ihn rief, wählte sie als Kosenamen gern die Titelfigur einer berühmten Verdi-Oper. Unzählige Male müssen die beiden «Il trovatore» gemeinsam erlebt haben; ein Stück, das für das Besetzungsbüro bekanntlich die einfache Herausforderung bereithält: Man muss für die Hauptrollen nur die vier besten Sänger der Welt engagieren, wie Enrico Caruso...
