Zweibahnstraße
Man muss es nicht so drastisch formulieren wie Gerard Mortier. Der Intendant in Brüssel, Salzburg und jetzt in Paris sah sich und seine Kollegen als Täter: «Jahrelang haben wir so genannten Opernintendanten wie die Vampire frisches Lebensblut gesogen aus der Film- und Schauspielregie.» Nicht immer brachten diese Blutübertragungen den erhofften (Über-)Lebenssaft, aber doch oft einen belebenden Schub. Allerdings hält sich die künstlerische Auffrischung eher in Grenzen. Die meisten Filmregisseure verhalten sich im ungewohnten Genre erstaunlich demütig gegenüber dem Werk.
Und filmische Mittel werden eher selten – und noch seltener geglückt – eingesetzt. In jedem Fall bringt der Prominenzfaktor des Filmregisseurs den Opernhäusern zusätzliche Aufmerksamkeit. Dieser hoch willkommene Nebeneffekt verhalf schon vor zwei, drei Jahrzehnten Filmregisseuren wie John Schlesinger oder Otto Preminger zu Opernehren. Wenn allerdings die Oper von Los Angeles gern vom Vorort Hollywood profitiert, dann hat sie dabei nicht nur Filmemacher wie William Friedkin oder Altstar Maximilian Schell im Auge, sondern auch die Geldbörsen betuchter Film-Tycoons, die als Sponsoren verpflichtet werden sollen. Für den ...
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Als der chinesische Schauspieler, Sänger, Tänzer und Regisseur Chen Shi-Zheng vor sechs Jahren am New Yorker Lincoln Center die vier Jahrhunderte alte Oper «Der Päonien-Pavillon» auf die Bühne brachte, ein ursprünglich fünfundfünfzig (!) Akte umfassendes Werk des chinesischen Monteverdi-Zeitgenossen Tang Xianzu (1550-1616), kam dies in der westlichen Musikwelt...
Etwas linkisch steht der junge Mann vor den zumeist älteren Herren, die ihn stumm und kühl anblicken. Es wäre übertrieben, würde man behaupten: Sie mauern. Aber skeptisch sind sie schon. Er redet viel und keineswegs auf den Punkt. Seine Witze, die auflockern wollen, verpuffen, weil ihre Pointen nicht sitzen. Nein, Carlos Kleiber hatte es nicht leicht, als er 1970...
Die Zeit der Großzügigkeit in den Kommunen ist vorbei. Das gilt auch für das Ruhrgebiet. Alles kommt angesichts leerer Kassen auf den Prüfstand. Bestehendes, Bewährtes, zuweilen sogar Modellhaftes wird auf Zahlen abgeklopft: Das ökonomistische Denken dringt immer weiter auch in Theater, Museen, Orchester und Konzerthäuser ein. Zwei Beispiele aus...
