Zustände ihres Willens
Eigentlich ist es immer schade, wenn solch grandiose Musik ungehört bleibt. Wenn der magische Moment zwischen Kerker und dem Schlussakt der Freiheit ohne dieses rhapsodische Phantasiestück, das Ernst Bloch als eine utopische Erinnerung, eine Legende der erfüllten Hoffnung bezeichnete, auskommen muss; wenn Mahlers Eingebung, die Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 in C-Dur in den synaptischen Spalt vor den Worten des Gefangenen- und Volks-Chores «Heil sei dem Tag, heil sei der Stunde» hineinfließen zu lassen, keine Folge geleistet wird. Allein, so geschieht es.
Herbert Blomstedt, der achtzehnte Gewandhauskapellmeister in der bewegten Geschichte dieses Orchesters, verzichtet bei seinem sehr späten und deswegen mit großer Spannung erwarteten Leipziger Einstand als Operndirigent auf die aparte musikalische Final-Volte. Aber er tut es nicht, ohne die Weglassung zu begründen: «Die Leonoren-Ouvertüren – besonders die zweite und die dritte – sind großartige Stücke», schreibt er im Programmbuch zur Aufführung, «aber sie gehören zu früheren Fassungen. Und verschiedene Fassungen sollte man nicht mischen.»
So bleibt es bei der einen klassischen Ouvertüre zu Beginn, jener «Fidelio»-Ouvertüre, die zwar ...
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Wenigstens auf den Wettbewerb würden Freiburg und Saarbrücken gewiss liebend gern verzichten – den Wettbewerb nämlich, welches der beiden Häuser dem unwürdigeren Spardruck ausgesetzt ist. Als Gaetano Donizettis «Lucia di Lammermoor» dort im Zwei-Wochen-Abstand Premiere hatte, schien das Saarländische Staatstheater vorn zu liegen. Beeindruckend, wie sich der...
Wer kennt sie nicht, die Barcarole aus Jacques Offenbachs Oper «Hoffmanns Erzählungen»? Eigentlich entstammt sie der Ouvertüre der siebzehn Jahre zuvor entstandenen, für Wien komponierten, dort auch erfolgreich uraufgeführten Oper «Les Fées du Rhin», deren deutscher Titel etwas irreführend «Die Rheinnixen» heißt. Denn um Nixen im Sinne von Undinen geht es in dem...
Ihr sängerisches Alptraumerlebnis hatte Ira Malaniuk 1951 in Bayreuth. Natürlich nicht als Magdalene in den «Meistersingern», für die sie von Wieland Wagner engagiert worden war und auf die sie sich bestens vorbereitet hatte. Sondern mit der «Rheingold»-Fricka, die zwar nicht zu ihrem Repertoire gehörte, die aber als Cover-Partie im Kleingedruckten ihres Vertrages...
