Zurückgeträumt
Sobald sie eine neue CD herausbringen, schwärmen Sänger PR-versiert über die «Erfüllung eines lang gehegten Traums» – wie jetzt Jonas Kaufmann über seine unter dem Titel «L’Opéra» veröffentlichte Anthologie mit zwölf Arien und zwei Duetten aus 13 französischen Opern: «The grand French opera is very close to my heart.» Auf der Bühne erfüllte der Tenor sich diese Träume zuletzt Ende 2015 mit Aufführungen von «Faust» und «Carmen». In den Jahren zuvor hat er den Wilhelm in «Mignon», Gounods und Berlioz’ Faust sowie Massenets Werther und Des Grieux gesungen.
Dabei ist er selbst hohen Erwartungen frankophiler Hörer gerecht geworden. Sein Französisch klingt nicht wie eine Variante der lingua franca, sondern ist, sowohl was Artikulation als auch Aussprache und die Verschmelzung von Wort und Ton betrifft, vortrefflich. Kaufmann weiß zwischen den 15 Vokallauten (inklusive der nasalierten) zu unterscheiden; nur selten geschieht es, dass der Liquid «R» als uvularer Laut gebildet wird. Wirklich entscheidend aber ist die spürbare Freude an der Wortformung, die in seinem Singen pulst. Wenn sein Werther vom «souffle du printemps» aus seinen Träumen gerissen wird, ist ein in die Sprache verliebter ...
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