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Ist Leoš Janáček ein spätromantischer Schwärmer in Verkleidung oder ein Modernist, der die Regungen seiner Protagonisten bei lebendigem Leibe seziert? Klingt sein Orchester schwelgerisch oder analytisch scharf? Einfache Antwort: beides. Aber das Einfache ist schwer zu erreichen. In Mainz gelingt es. Das Philharmonische Staatsorchester bietet den Glanz der Streicher und das irritierende Knarzen der Bässe und Fagotte, ohne diese klanglichen Widersprüche zu glätten.
Tritt noch Nadja Stefanoffs Sopran hinzu, dem übermäßiger Liebreiz nicht nachgesagt werden kann, so ergeben sich Valeurs, die wahrscheinlich Janáčeks Idealvorstellungen sehr nahe kommen.
Die Inszenierung Lydia Steiers – sie basiert auf einer 2012 in Oldenburg gezeigten Produktion – geht über das Original ein gutes Stück hinaus. Natürlich ist in Janáčeks Libretto nicht vorgesehen, dass der besoffene Dikoj die sittenstrenge Kabanicha vögelt, aber es unterstreicht die Bigotterie der Moralisten und passt nicht schlecht zur nächtlichen Wolga-Szene mit den Liebespaaren. Denn auch hier heißt die Devise: Sex statt Erotik, allerdings unter Verzicht auf die heute theaterüblichen Orgien. Eine Leinwand genügt, um die Illusionen der ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Volker Tarnow
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