Un grande dolore
Am Ende ist alles nur noch musikalisches Zitat, Erinnerung. Und: totale Tristesse. Regungslos sitzt Mimì auf jenem Stuhl, der zuvor als Platz für Marcellos Aktmodelle diente, hockt da wie eine Statue. Die aber singt, und das wunderschön und zugleich höchst traurig.
«Sono andati», das berühmte Schlusslamento, gerinnt in Nadja Mchantafs Diktion zu einem Bild verblühter Hoffnungen; es beginnt ja noch in heiligem Des-Dur, wandelt dann aber in Holzbläsern, Hörnern, begleitet von leisen Beckenschlägen, in jene unheilsame h-Moll-Sphäre, die auch den Tod Mario Cavaradossis und Cio-Cio Sans umgibt. «Un grande dolore in piccole anime»: ein großer Schmerz in kleinen Seelen. So wollte es Puccini, so spielt es das famose, von Jordan de Souza detailfreudig und mit gutem Gespür für all die klanglichen Valeurs der Partitur dirigierte Orchester der Komischen Oper Berlin, so singt es diese Mimì. Und so inszeniert es Barrie Kosky. Ohne doppelten Boden. Texttreu.
Es ist ja grundsätzlich zu fragen, ob ein modernes Regiekonzept überhaupt für diese Oper taugt. Zu vieles ist festgelegt, der Ort, die Zeit, die Attitüde, das historische Ambiente. Das Werk etwa in die Sphäre der digitalen Bohème zu ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Jürgen Otten
Schon während des Vorspiels zum Prolog ist hinter einem Gazevorhang eine Albtraumszene zu erkennen: Fahles Mondlicht fällt auf eine stuckverzierte Wand, im diffusen Licht zeichnet sich eine geschwungene Treppe ab, hinten ragt die Pranke eines monströsen, echsenartigen Tieres hervor. Dann ertönt aus dem Off eine helle Evangelisten-Stimme – und aus dem...
Im Foyer hängen Girlanden schimmernder Metallornamente von der Decke. Was sich da kokett in jedem Luftzug dreht, entpuppt sich auf den zweiten Blick als Mobile des Tragischen: Man entdeckt Pistolen, gefrorene Tränen, Schusswunden. Nick Caves Installation «Until», 2016 bei Koproduktionspartner Massachussets Museum of Contemporary Art herausgekommen, ist als Denkmal...
Jetzt ist er also abgeschlossen, der im Januar 2015 begonnene «Ring» aus Hongkong, über dessen Anfänge mit «Rheingold» und «Walküre» in dieser Zeitschrift bereits berichtet wurde (OW 2/2017). Dass er keine neue Sicht auf die in letzter Zeit allzu häufig eingespielte Tetralogie eröffnen würde, war schon damals abzusehen. Doch ergibt sich nun aus der Gesamtschau...
