Zurück in die Zukunft
Am Hof des greisen Kaisers Altoum und seiner kinderlosen Tochter Turandot werden die archaischen Rituale eines geschlossenen Systems praktiziert. Das wird vor tausend Jahren so gewesen sein wie vor zehntausend. Und in der Zukunft? Die Praktiken, mit denen die Prinzessin all die Bewerber um ihre Gunst mit unlösbaren Rätselfragen abfertigt, sind martialisch. Sie finden allesamt an einem symbolischen Ort in der Bühnenmitte statt, einer Mischung aus mosaischem Opferstein, Wagner’schem Brünnhildenfelsen und utopischem Brautbett.
Jüngstes Opfer ist der Prinz von Persien, den die gefühlsvereiste Thronfolgerin laut Libretto köpfen lässt. Am Grand Théâtre de Genève erniedrigt sie den erfolglosen Bewerber schon vorab – sie lässt ihn kastrieren.
Diesen für die Männlichkeit einschneidenden Vorgang muss der Regisseur nicht in blutigem Realismus vorführen: Daniel Kramer stilisiert den Schrecken, indem den Herren ein üppiges, pflanzenähnliches Gemächt entfernt wird. Schließlich befinden wir uns mit Puccinis «Turandot» im Märchenland zur Märchenzeit. Die Geschichte haben die Autoren der diversen Versionen zwar aus der jeweiligen Perspektive ihrer eigenen Kultur gelesen. Doch haben sie keine ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Peter Krause
Frau Wilson, zu Jahresbeginn wurden Sie in Stuttgart für die Titelrolle von Vivaldis «Juditha triumphans» gefeiert. Die Produktion konnte erst nach mehreren Anläufen und monatelanger Pause herausgebracht werden. Wie motiviert man sich nach so langer Zeit für die Premiere?
Ich fand es anfangs schwierig, sich wieder zu motivieren. Ich sagte mir zwar: Okay, wir haben...
Bereits seit 2005 nimmt das «Morgenland Festival» in Osnabrück alljährlich die Musikkultur des Vorderen Orients in den Blick und weitet die Perspektive von traditioneller Musik bis zu Avantgarde, Rock und Jazz. Höhepunkt der aktuellen Ausgabe ist ein spartenübergreifendes Projekt in Koproduktion mit dem Theater Osnabrück: «Songs for Days to Come» des aus Syrien...
Die Frage ist gut: Warum hat Johann Sebastian Bach zeitlebens keine Oper komponiert? Iso Camartin, Philologe und Essayist, von 1985 bis 1997 Professor für rätoromanische Literatur und Kultur an der Universität Zürich und bekennender Opernliebhaber, geht ihr mit einer Unbefangenheit nach, die man ihm als Naivität auslegen könnte – mit der Begründung nämlich, Bach...
