«Ich mag coole Charaktere»
Frau Wilson, zu Jahresbeginn wurden Sie in Stuttgart für die Titelrolle von Vivaldis «Juditha triumphans» gefeiert. Die Produktion konnte erst nach mehreren Anläufen und monatelanger Pause herausgebracht werden. Wie motiviert man sich nach so langer Zeit für die Premiere?
Ich fand es anfangs schwierig, sich wieder zu motivieren. Ich sagte mir zwar: Okay, wir haben geprobt, es wird irgendwann auf die Bühne kommen. Aber es brauchte für den letzten Schritt einige Willenskraft.
Es ist nicht so romantisch, wie manche sich das vorstellen: einfach nur in die Musik eintauchen, dann funktioniert es schon. Was mir half: Ich durfte wieder singen und meine Kolleginnen und Kollegen sehen, mit ihnen arbeiten, mit ihnen gemeinsam in den Pausen essen und trinken – das war sehr emotional. Mein Beginn im Stuttgarter Ensemble fiel ja zusammen mit dem Beginn der Pandemie. Ich konnte ein paar Projekte mitmachen, dann war Schluss. Die Stadt war zu. Ich habe Monate gebraucht, um überhaupt alle im Ensemble kennenzulernen – einfach, weil ich ihnen nicht begegnen konnte. Manchmal komme ich mir hier noch immer wie eine Touristin vor.
Ihr professionelles Debüt hatten Sie mit Vivaldis «Gloria» in der New ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Interview, Seite 35
von Markus Thiel
Wohl kein Himmelskörper wurde so häufig besungen wie dieser. Zu groß seine Faszination, zu immens seine Ausstrahlung, um nicht die Feder in die Tinte zu tauchen. Die vielleicht schönste Hommage an den Mond schrieb Joseph von Eichendorff: «Es war, als hätt der Himmel / Die Erde still geküsst, / Dass sie im Blütenschimmer / Von ihm nur träumen müsst», so lautet die...
Nachtblauvioletter Stoff blitzt rechts in der Seitengasse, und bevor die Trägerin des dazugehörigen Kleides gänzlich auf der Bühne der Grieghalle erscheint, bricht frenetischer Jubel aus, der mehr ist als ein Willkommensgruß für Lise Davidsen (und Leif Ove Andsnes, ihren Partner am Klavier). Es ist eine Demonstration nationalen Stolzes, bevor ein Ton Musik...
Das Cover ist imposant. Von einem glutvollen Sonnenstrahl erleuchtet, der sich wie ein göttlicher Schein aufs phallische Zepter legt, schaut «La Seine» – in Gestalt jener mächtigen Statue, die der Bildhauer Étienne Le Hongre anno 1690 schuf – grimmig-nachdenklich auf ein unsichtbares Etwas in der Ferne; erst auf der Rückseite des Booklets wird erkennbar, dass die...
