Vom Ende der Zeit
Am Sommerhimmel über Perm ist von Zeit zu Zeit ein ohrenbetäubendes Geräusch zu hören – verursacht durch die Trainingsflüge der Jagdbomber von der nahegelegenen Militärbasis. Beim diesjährigen Diaghilew-Festival haben diese Flüge einen anderen Klang, und auch die schwarze Farbe der T-Shirts der freiwilligen Helfer und der Andenkenkarten hat eine völlig andere Bedeutung.
Teodor Currentzis verwandelt Perm weiterhin in eine Musikhauptstadt, obwohl er vor drei Jahren den Standort des Chors und Orchesters musicAeterna nach St. Petersburg verlegt hat.
Die Gäste verschwinden optisch nicht unter den Einwohnern der Provinzstadt, sondern verleihen ihr im Gegenteil einen Hauch von Extravaganz. Und das örtliche Publikum kommt zuhauf zu jedem beliebigen Konzert, unabhängig davon, ob eine Suite von Telemann und Bach mit authentischen Instrumenten auf dem Programm steht oder eine Performance in der «heulenden» Sprache der Maori, die im Programmheft eine «extreme Vokaltechnik» genannt wird.
Ein grandioses Ereignis war die Aufführung von Carl Orffs Mysterienoper «De temporum fine comoedia», die Currentzis und seine Regisseurin Anna Guseva betont allegorisch interpretieren: Im Programmheft fehlt ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Konstantin Nikischin
Einmal mehr hat sich Frankfurt mit Luigi Dallapiccolas «Ulisse» zum Saison-Abschluss für eine vergessene Oper der klassischen Moderne engagiert. In Deutschland war das selten gespielte, bekenntnishaft spröde Zwölftonwerk zuletzt 1980 in Oldenburg zu sehen. Bei seiner Uraufführung im Protestjahr 1968 an der Deutschen Oper Berlin wurde die eigenwillige Homer-Deutung,...
Bodø liegt im Norden Norwegens, ganz nah bei den Lofoten. Bis zum Nordpol sind es 2.526 km. Die Sommertage sind hier lang: Um Mitternacht steht eine blutrote Sonne etwa daumenbreit über dem malerischen Horizont, der von den schwarzen Scherenschnitten der im Meer liegenden Felsen aufgebrochen wird. Untergehen tut sie in dieser Jahreszeit nie. Nahe des Hafens liegt...
Hochzeitsglocken in der Wiener Staatsoper! Das heißt, genau genommen ist weniger Geläut zu vernehmen als vielmehr die Mutter aller Ouvertüren – diese allerdings schon beim Eintreffen des Publikums und aus diversen Richtungen. Blech und Trommeln schmettern und knattern die «Toccata» von der Hauptstiege herab: jene Gonzaga-Fanfare, geschaffen für den Herzog von...
