Zur Liebe nicht fähig
Nanu! Ist das nicht Michel Houellebecq? Dieser schmächtige Typ mit strähnigem Haar, der da rauchend im Bett liegt? Der dann sturzbetrunken zur Badewanne torkelt, um sich die Fußnägel zu lackieren?
Ja, zweifellos, er ist es. Der französische Kultautor ist in Elisabeth Stöpplers Inszenierung von Offenbachs letzter Oper «Les contes d’ Hoffmann» omnipräsent: Seine Handschrift überzieht den transparenten Bühnenvorhang, seine Gedichte blitzen in den Dialogen auf. Stöppler lässt die Handlung in einem Hotelzimmer spielen, das Houellebecqs Romanen entstammen könnte.
Kälte, Tristesse und Einsamkeit bilden die Grundpfeiler des mit Minibar, Klimaanlage und King Size-Bett ausgestatten Raumes. Die Regisseurin zeigt Hoffmann als einen selbstzerstörerischen, dem Alkohol verfallenen, in schmerzhafte Traumata verstrickten Charakter. Die Parallele zu Houellebecq liegt auf der Hand.
Doch ergibt sich aus dieser Nähe gleich im ersten Bild ein irritierender Widerspruch: Denn der Darsteller, der sich als Inkarnation Houellebecqs in den Hotelkissen räkelt, ist gar nicht Hoffmann, sondern nur einer seiner Trinkgenossen.
Hoffmann wird von Eric Laporte verkörpert, der allein aufgrund seiner bärenhaften ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Silvia Adler
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