Zum Theater kann man auch schwimmen
Normalerweise beginnt Wagners «Ring» damit, dass drei mehr oder weniger gut gebaute Damen in den Tiefen des Rheins einen Zwerg anmachen und sofort wieder abstoßen. Seit Patrice Chéreaus Deutung ist der Rhein oft vertrocknet oder einfach ein Bordell, was schade ist, aber der Musik nicht widerspricht. Wagner hat zwar die Entstehung des Lebens vom Nullpunkt (dem tiefen «Es») auskomponiert, doch muss vor Beginn der Handlung einiges passiert sein, etwa Wotan und seinen Speer und die Weltenesche betreffend.
Im schwedischen Karlstad ist der Rhein kein Bordell, sondern eine mit Laserlicht und ein bisschen Trockeneisnebel angerichtete Grünzone, die man als Unterwasserwelt annehmen kann. Drei Damen spielen darin Schwimmen. So bleibt es bei diesem «Ring»: Die Szene wird erzählen, sie wird sich an die Geschichte halten und dabei neue Technik für irgendwie altvertraute Bilder nutzen. Eine Deutung, ein Sich-Verhalten zur Tetralogie oder gar dramaturgisches Vorpreschen, Innovationsgier wird man vergeblich suchen. Und das will auch gar niemand hier in Värmland an der Nordküste von Schwedens größtem See, dem Vänern. Die Opernfreunde, die sich im verplüschten Theaterchen auf 400 Plätzen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Stephan Mösch
Würde man diese Oper spielen, hätte sie nicht ein gewisser Franz Liszt komponiert? Unwahrscheinlich. Obwohl «Don Sanche» durchaus Meriten hat. Das Werk wurde bislang dreimal inszeniert, zuletzt 1986 in Bayreuth zum 100. Todestag des Komponisten. Nun war «Don Sanche» anlässlich seines 200. Geburtstags, nach einer ersten Aufführung im ungarischen Miskolc, in der...
Im Zuge des Massenet-Revivals, dessen Anfänge der Enkel des Komponisten, Pierre Bessand-Massenet, in seinem Buch über den Großvater in den USA der 1970er-Jahre verortet, hat besonders ein Werk zunehmend an Bekanntheit gewonnen: die Märchen-
oper «Cendrillon», die 1899 an der Pariser Opéra Comique uraufgeführt wurde. Spätestens seit ihrer Wiederaufnahme beim...
Wenn auch nicht seine letzte Oper, so ist die 1686 uraufgeführte «Armide» dennoch der Gipfel von Jean-Baptiste Lullys musikdramatischem Schaffen: die Erfüllung eines Prozesses musikdramatischer Verknappung, den der Komponist und sein Librettist Philippe Quinault 13 Jahre zuvor mit ihrer ersten Tragédie lyrique «Cadmus et Hermione» begonnen hatten. Klar und...
