Zum Raum wird hier der Klang
Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» markieren eine kopernikanische Wende in der Operngeschichte. Die dort erstmals verwirklichte Vorstellung von der Kugelgestalt, «zu der sich die Zeit biegt» – in Zimmermanns Worten «der Gedanke von der Einheit der Zeit als Einheit von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft» –, hat das Musiktheater nachhaltig verändert.
Das Bewusstsein, dass die Zeit ein Integral des Raumes ist, verbindet etwa Nonos «Al gran sole carico d’amore» und «Prometeo» mit Stockhausens «Licht»-Zyklus oder Lachenmanns «Mädchen mit den Schwefelhölzern» mit Mark Andres jüngst uraufgeführtem «wunderzaichen».
Diesem Projekt der Moderne hat sich Adriana Hölszky seit ihrer ersten Oper «Bremer Freiheit» mit allen weiteren Musiktheaterwerken in einer sehr persönlichen Klangsprache verschrieben. Ihre beiden jüngsten Kompositionen, das für den Düsseldorfer Choreografen Martin Schläpfer geschriebene Ballett «Deep Field» und die vom Mannheimer Intendanten Klaus-Peter Kehr in Auftrag gegebene Oper «Böse Geister», sind Raumklangkompositionen, die die Bühne und das Auditorium, ganz im Sinne Zimmermanns, in einen rotierenden Raum verwandeln. Hölszkys Theater ist ein akustisches Universum aus ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Uwe Schweikert
Hübsch ist der Tod. Sexy, ob im Pailletten-Fummel oder im Weißkittel als Dottoressa Mirakel. Vor allem aber: Er ist die heiße Affäre jenes Mannes, der nun aus dem Schattenreich zurückkommt – und vielleicht, wenn die Liebe der im Diesseits verbliebenen Mutter oder seiner Gattin stark genug ist, wieder unter die Lebenden darf. Ein Mann, drei Frauen, man ahnt es...
So viel Lärm um Glyndebourne war wohl nie. Wie Donnerhall dröhnte es nach der ersten Premiere dieses Jahres über den lieblichen South Downs. Nicht, dass das seit 1934 auf einem Landgut in East Sussex veranstaltete Opernfestival seinen in Frack und Abendrobe anreisenden Habitués mit einem kühnen Programm zur 80. Sommersaison das Champagner-Picknick auf der Wiese...
Erst spät, mit 35 Jahren, wagte sich Antonio Vivaldi an die Komposition von Opern. Für das Zusammentreffen mit dem verwöhnten Publikum seiner Heimatstadt Venedig ließ er sich noch ein Jahr länger Zeit, zunächst erprobte er sein Glück als Opernkomponist im provinziellen Vicenza. 1714 eroberte er dann mit «Orlando finto pazzo» das venezianische Theater Sant’Angelo.
Ü...
