Zum Raum wird hier der Klang
Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» markieren eine kopernikanische Wende in der Operngeschichte. Die dort erstmals verwirklichte Vorstellung von der Kugelgestalt, «zu der sich die Zeit biegt» – in Zimmermanns Worten «der Gedanke von der Einheit der Zeit als Einheit von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft» –, hat das Musiktheater nachhaltig verändert.
Das Bewusstsein, dass die Zeit ein Integral des Raumes ist, verbindet etwa Nonos «Al gran sole carico d’amore» und «Prometeo» mit Stockhausens «Licht»-Zyklus oder Lachenmanns «Mädchen mit den Schwefelhölzern» mit Mark Andres jüngst uraufgeführtem «wunderzaichen».
Diesem Projekt der Moderne hat sich Adriana Hölszky seit ihrer ersten Oper «Bremer Freiheit» mit allen weiteren Musiktheaterwerken in einer sehr persönlichen Klangsprache verschrieben. Ihre beiden jüngsten Kompositionen, das für den Düsseldorfer Choreografen Martin Schläpfer geschriebene Ballett «Deep Field» und die vom Mannheimer Intendanten Klaus-Peter Kehr in Auftrag gegebene Oper «Böse Geister», sind Raumklangkompositionen, die die Bühne und das Auditorium, ganz im Sinne Zimmermanns, in einen rotierenden Raum verwandeln. Hölszkys Theater ist ein akustisches Universum aus ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Uwe Schweikert
Niederösterreich» heißt es im Text, auch der Name Natascha kommt vor (die mörderische Mutter der Protagonistin wird so genannt). Das könnte ein Indiz für Aktualitätssucht sein. Doch Georg Friedrich Haas und sein Librettist Händl Klaus beteuern, «Bluthaus», 2011 in Schwetzingen uraufgeführt (siehe OW 6/2011), dessen erweiterte Neufassung nun erstmals bei den Wiener...
Madame liegt im Krankenbett, wenn sie nicht nachts herumstreunt und vom Gatten eingefangen werden muss. Der war am Schreibtisch eingenickt. «Rien» hatte er bei der Suche nach Sinn herausgefunden – wieder mal: nichts. Le docteur Faust ist – wie vor einem halben Jahr bei Jan-Philipp Gloger in Zürich – verheiratet, doch es zieht ihn mit einschlägig diabolischer...
«Robert le diable» ist die erste der vier grand opéras von Giacomo Meyerbeer. Wer von der Aufführung an der Londoner Covent Garden Opera den Durchbruch dieses bei seiner Pariser Uraufführung 1831 sensationell erfolgreichen Werks für das heutige Repertoire erhofft hatte, sieht sich bitter enttäuscht (siehe OW 2/2013). Zuvörderst, weil die Möglichkeiten, die die...
