Schreiben, treiben
Eine Frau betrügt ihren Mann mit einem Jüngling. Ihr Mann gibt ihr das Herz des Jünglings zu essen, woraufhin sie sich umbringt. Eine klassische Dreieckskonstellation mit blutigem Ausgang. Eine Geschichte, die erzählt werden will. Und in George Benjamins «Written on Skin» (siehe OW 9-10/2012) wird sie erzählt – vordergründig linear. Doch Martin Crimp spielt in seinem Libretto auf faszinierende Weise mit der Erzählperspektive. Zunächst bleiben die Figuren namenlos – «the boy», «the woman», «the man» – wodurch das Dreieck im archetypisch Allgemeinen verortet wird.
Dass die Figuren ihre eigenen Erzähler sind («... says the woman», singt etwa Agnès), verstärkt die Distanz zum Geschehen und verweist zugleich auf das Buch, das der Jüngling schreibt: Die Figuren sind auch Figuren dieses Buches. Vor allem eine will sich daraus lösen, will selbst gestalten: die Frau, Agnès. Denn es ist nicht ihre Geschichte. So fällt, als sie mit dem Jüngling eine Liebesbeziehung beginnt, der Erzähler weg, zugunsten der direkten Rede. Ein Naherücken. Ein Ringen um Identität. Und gerade dort, wo Agnès’ Selbst bestätigt oder verleugnet wird, bricht die Singstimme aus dem litaneihaften Kreisen über ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Wiebke Roloff
Es ist nicht so schlimm wie beim «Troubadour». Aber auch Verdis «Simon Boccanegra» erfordert einige Übersicht. Dass Liebe, Intrigen und Missverständnisse in ferner Vergangenheit wurzeln, wird den Figuren zum Verhängnis: Alle schauen wehmütig bis wütend zurück, anstatt sich um die Gestaltung der eigenen und der politischen Zukunft zu kümmern. Ganz besonders heikel...
Erst spät, mit 35 Jahren, wagte sich Antonio Vivaldi an die Komposition von Opern. Für das Zusammentreffen mit dem verwöhnten Publikum seiner Heimatstadt Venedig ließ er sich noch ein Jahr länger Zeit, zunächst erprobte er sein Glück als Opernkomponist im provinziellen Vicenza. 1714 eroberte er dann mit «Orlando finto pazzo» das venezianische Theater Sant’Angelo.
Ü...
ARD-ALPHA
6.7. – 11.00 Uhr (1)
6.7. – 20.15 Uhr (2)
13.7. – 11.00 Uhr (3)
13.7. – 20.15 Uhr (4)
20.7. – 11.00 Uhr (5)
20.7. – 20.15 Uhr (6)
27.7. – 11.00 Uhr (7)
27.7. – 20.15 Uhr (8)
Jansons in Tokio.
Beethoven: 1. Symphonie Nr. 2; 2. Symphonie Nr. 3; 3. Symphonie Nr. 4; 4. Symphonie Nr. 5 (incl. Haydn-Zugabe); 5. Symphonie Nr. 6; Symphonie Nr. 7; 7. Symphonie Nr. 8; 8....
