Zündendes Debüt
Die Sandsäcke an der Rampe und die Granateneinschläge, die noch vor dem ersten Ton des Orchesters donnern, die Flower-Power-Jeansrock-Lässigkeit von Salome, das schlichte Anzugsgrau der Hofgesellschaft und die Kampfkleidung der Soldaten – all das behauptet in Meiningen szenisch zunächst einmal die Gegenwärtigkeit eines über hundert Jahre alten Stücks, dessen Sujet bis in biblische Zeiten zurückweist.
Auch die Gefangenen in der unteren Etage eines nüchtern stilisierten, verglasten Wüstenstützpunktes mitten in einer Endzeitkulisse deuten auf eine leidlich bekannte und höchst aktuelle Dynamik: Gewalt und Gegengewalt. Und doch hält sich Regisseurin Andrea Moses nicht mit Äußerlichkeiten auf. Sie versucht sozusagen von innen her «Salome» zu analysieren. Weil sich Salomes Werben um Jochanaan von der begehrenden Obsession und deren Abwehr zu einem grundsätzlicheren Konflikt weitet – Liebe, Leben, Körperlichkeit versus Askese, Jenseits, Heilserwartung –, geht die junge Frau bis zum Äußersten: Sie berückt den Vater Herodes und den Propheten Jochanaan mit demonstrativer Nacktheit. Und weil Salomes Tanz, bei dem sie vor allem die anderen tanzen lässt, zu einem letzten Diskurs gerät, den nur ...
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