«Da fließt es schwarz»
Luigi Cherubinis Vertonung der finstersten aller griechischen Tragödien markiert einen Wendepunkt der Operngeschichte. Mit diesem 1797 in Paris uraufgeführten Werk des seit 1786 in Frankreich lebenden Cherubini kommt die von Gluck begonnene Verschmelzung der italienischen Opera seria mit der französischen Tragédie lyrique zum Abschluss und treibt zugleich weit über den aufklärerischen Klassizismus von Winckelmanns Zeitalter hinaus.
Cherubinis Textdichter Hoffman hat die Vorlage des antiken Dramas von Euripides in beispielloser Verknappung ganz auf die Katastrophe und damit auf die psychische Introspektion der zwischen Liebe und Hass zerrissenen Titelheldin konzentriert, der Komponist seinerseits dieses Libretto ohne jede Konzession an den Zeitgeschmack in einem bis dahin unerhörten musikalischen Realismus vertont. Im tragischen Ende der den Liebesverrat Jasons rächenden Medea bricht sich unverhüllt die Romantik Bahn, die kein rettendes Orakel und keine verzeihenden Götter mehr kennt. Beethoven war vom revolutionären Elan Cherubinis hingerissen, und noch für Brahms verkörperte sich in der düsteren Größe dieser konsequent durchgeführten Tragödie «das höchste in der dramatischen ...
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War es Zufall oder die Macht des Schicksals? Das Orchester der Vlaamse Opera in Antwerpen, das vor kurzem noch seine Auflösung befürchten musste, spielte nun Giorgio Battistellis Oper «Prova d’orchestra» – ein Werk, das die Geschichte eines revoltierenden Klangkörpers erzählt. Vorlage für diese Komposition, die 1995 in Straßburg uraufgeführt wurde, war Federico...
Wie bereits bei der Produktion von Rameaus «Castor et Pollux» gingen den Aufnahmesitzungen auch im Fall von Händels «Rinaldo» einige Live-Aufführungen voraus. Ende März 2004 brachten Kevin Mallon und sein Aradia Ensemble in Toronto Händels Oper konzertant auf die Bühne, und zwar in der ersten Fassung von 1711. Die CD entstand wenige Monate später und wurde jetzt...
Im vergangenen September, angesichts von Peter Konwitschnys szenischer Interpretation des «Eugen Onegin» in Bratislava, hatte ein aus Wien angereister Zuschauer neben mir noch gegreint: «Jetzt kann man hier auch nicht mehr hinfahren.» Sollte der Mann dennoch einen weiteren Versuch gewagt haben, etwa zur «Turandot», dürfte Joszef Bednáriks Inszenierung ihm ein...
