Zu viel ist zu viel
Die Uraufführung der «Leggenda di Sakùntala» von Franco Alfano hatte sich das Teatro Comunale in Bologna gesichert – man schrieb den 10. Dezember 1921. Gut zwei Jahrzehnte später gingen die Partitur und das Orchestermaterial in Flammen auf, als alliierte Bomben das Archiv des Verlagshauses Ricordi in Mailand beschädigten. Nach 1945 rekonstruierte Alfano eine neue Fassung, die unter dem Titel «Sakùntala» kursierte. Vor zehn Jahren wurde bei Ricordi dann doch noch ein Exemplar des Originals von 1921 entdeckt – und am Teatro dell’Opera in Rom vorgestellt.
Was man nun, gegen frühere Verlautbarungen, zum Abschluss der Saison in Catania bot, war wieder die gekürzte dreiaktige Version aus dem Jahr 1952. Auch eine bei dieser Stimmen-Killer-Oper eigentlich unverzichtbare Doppelbesetzung der Schlüsselpartien hatte das Teatro Massimo Bellini nicht zustande gebracht. Nur für die Rolle der Anusuya, einer Gefährtin Sakùntalas, stand eine zweite Sopranistin zur Verfügung.
Die Solisten haben hier Schwerstarbeit zu verrichten: Wie Riccardo Zandonai mit «Francesca da Rimini» (1914) hat Alfano mit «Sakùntala» im Grunde Tondichtungen für ein Mammutorchester aneinandergereiht; die auf ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Carlo Vitali
Während der Wintersaison im festlichen Schwetzinger Rokokotheater taucht die Heidelberger Oper auf den Spuren der neapolitanischen Seria tief in die Vergangenheit ein. Am Beginn der Reise stand vor sechs Jahren Alessandro Scarlattis «Marco Attilio Regolo», jetzt ist man mit Niccolò Antonio Zingarellis 1796 in Mailand uraufgeführter «Giulietta e Romeo» am Ende...
Filmmusik. Taucht dieser Begriff in einem Text über neues Musiktheater auf, verheißt er meist nichts Gutes. Als tönende Kulissenschieberei, schallende Konfektion, Klangware aus zweiter oder dritter Hand ist das Genre in der an Adorno geschulten Kulturkritik verpönt. Unter der Fahne des zur Norm erhobenen autonomen, zweckfrei-experimentellen Kunstwerks...
Seltsam, dass das im Nationaltheater München keiner komisch findet. Wenn die Solo-Posaune, drastisch vom b übers a und as zum g herabschmierend, postkoitale Erschlaffung illustriert und acht Takte später noch dreimal, im Gestus ähnlich, mit fallender Sekunde von versiegender Manneskraft quäkt. Es ist eine berühmt-berüchtigte Opernszene, unverstellt hat Dmitri...
