Zwischen den Zeiten
Während der Wintersaison im festlichen Schwetzinger Rokokotheater taucht die Heidelberger Oper auf den Spuren der neapolitanischen Seria tief in die Vergangenheit ein. Am Beginn der Reise stand vor sechs Jahren Alessandro Scarlattis «Marco Attilio Regolo», jetzt ist man mit Niccolò Antonio Zingarellis 1796 in Mailand uraufgeführter «Giulietta e Romeo» am Ende des Jahrhunderts angelangt.
Das einst viel gespielte, mehrfach dem Zeitgeist angepasste Stück, das erst Kastraten wie dem Uraufführungs-Romeo Girolamo Crescentini, dann romantischen Primadonnen wie Maria Malibran und Giuditta Pasta eine Paraderolle bot, geriet – wie alle Werke des heute gründlich vergessenen Zingarelli – nach dem rasanten Geschmackswandel durch Rossini, Bellini und Donizetti schnell ins Abseits. Die Salzburger Pfingstfestspiele präsentierten es im Mai 2016 mit dem Counter-Star Franco Fagioli konzertant (siehe OW 7/2016), in Heidelberg hat man es erstmals seit 1836 wieder auf die Bühne geholt.
«Giulietta e Romeo» ist ein Werk des Übergangs zwischen Frühklassik und romantischem Belcanto. Mit der spätbarocken Seria, gar der metastasianischen Opernform hat es so gut wie nichts mehr zu tun. An ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Uwe Schweikert
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