Paare, Passanten
Filmmusik. Taucht dieser Begriff in einem Text über neues Musiktheater auf, verheißt er meist nichts Gutes. Als tönende Kulissenschieberei, schallende Konfektion, Klangware aus zweiter oder dritter Hand ist das Genre in der an Adorno geschulten Kulturkritik verpönt. Unter der Fahne des zur Norm erhobenen autonomen, zweckfrei-experimentellen Kunstwerks schrumpft jeder, der (vermeintlich) kinotauglich tickt, zum Arrangeur effektgeil-instrumenteller Machwerke. Das ist die Grundfigur.
Und sie läuft zwischen den Zeilen noch und fast immer mit, wenn zeitgenössischen Komponisten, die für die Bühne schreiben, das Wort «Filmmusik» nachgerufen wird.
So geschah es auch, nachdem Péter Eötvös an der Staatsoper Hamburg seinen knapp 45 Minuten langen Einakter «Senza Sangue» vorgestellt hatte, erstmals so, wie er von Anfang an gedacht war, als gleichsam aus der Erinnerung glimmender Vorschein von «Herzog Blaubarts Burg», direkt hinüberblendend in dessen hermetisch-rätselhafte Seelendunkelkammer. Ob Eötvös’ Partitur den sensualistischen Sog, die konstruktive Dichte von Bartóks 1918 in Budapest uraufgeführtem Meisterstück erreicht, sei dahingestellt. Doch fraglos schimmert das ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Albrecht Thiemann
58. Jahrgang, Nr 1
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752296
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Große Massen auf leichten Füßen zu halten – das ist eine Kunst für sich. Der vereinigte Chor des Theaters Vorpommern und der Oper im Schloss Stettin ist eine beachtliche Masse, aber flotten Schrittes und stimmlich auf Zehenspitzen ziehen die Sänger als Edelleute in Wagners «Tannhäuser» auf die Wartburg. Die Choreinstudierung durch Malgorzata Bornowska und...
Zu fragmentarisch ist Welt und Leben, / Ich will mich zum deutschen Professor begeben; / Der weiß das Leben zusammenzusetzen, / Und er macht ein verständliches System daraus. / Mit seinen Nachtmützen und Schlafrockfetzen / Stopft er die Lücken des Weltanbaus.» Ohne anklägerisches Pathos hat Heinrich Heine, grimmig ironisch, die große Vergeblichkeit skizziert,...
